- 13l> —
war. Aber die Nachwirkungen eines verwahrlosten VolkS-unterrichts sind so schnell nicht zu beseitigen. Die Massenwaren bigott und roh geblieben. Die Insassen von nichtweniger als zwanzig Klöstern hatten die Einwohnerschaftgegen die Aufklärungstendenzen fanatisiert, und beim TodeEmmerich Josephs wurde unter erbärmlichen Pöbeldemon-strationen die Strengglänbigkeit wieder eingesetzt. Umdiese Epoche und von ihr an fortwirkend machte sich nämlicheine durch den Klerus von unten aufgewühlte Reaktiongegen die Aufklärungsversuche Luft, denen das Empor-kommen unserer ersten klassischen Literatur, die Regsamkeitzahlreicher Gelehrten und Publizisten, die Gönnerschafteinzelner bildungsfreundlicher Fürsten und schließlich diemodernisierenden Anwandlungen des Papsttums unterGanganelli beträchtlichen Nachdruck verliehen hatten. Mitdes letzteren famosem Breve Dominvis Nsclsrrixtor riostsrund der darin dekretierten Unterdrückung der Jesuiten (1773)waren endlich auch in Deutschland die Pfaffenfeinde zu einempraktischen Erfolg, aber gleichzeitig auch zu einem Wende-punkt in ihrem Einfluß gediehen. Der Kurfürst von Mainz war einer der ersten, welche das Breve in Vollzug setzten;aber als die frommen Väter unter einer Kavallerie-Eskorteabzogen, folgte ihnen das Wehegeheul der Weiber, und zuden Fenstern des Schlosses stiegen die Verwünschungen derDummgläubigen hinauf. Bald darauf starb EmmerichJoseph , und der Nachfolger machte Miene (er mußte esschon, um seine Wahl zu sichern), als Werkzeug jener Reaktionaufzutreten, welche von damals ab, wie im Vorgefühl derkommenden Dinge, jeden neuen Regenten ergriff, dem einAufklärer vorausgegangen war.
Karl Friedrich begann in Mainz als Frömmlerund Verdammer seines Vorgängers, wie später in BaiernKarl Theodor — innerlich gleich dem Mainzer Karl ein