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vor unsern Augen das ganze Jammerbild der Feudalwirt-schaft. Da galten noch außer dem Mainzischen die Rechtedes Fürsten von Worms, des Fürsten von Speier, der Fürsten von Nassau-Weilburg und Usingen , des Markgrafen vonBaden, des Fürsten von Salm, des Wild- und Rheingrafenvom Stein und zu Grumbach, des Fürsten von Leiningen-Dürkheim, der Grafen von Falkensteiu, der Grafen vonLeiningen-Westerburg, Dachsburg und Guntersblum , derGrafen von Löwenhaupt und Manderscheid, der Grafen vonWartenberg, Degenfeld, Sickingen, Hallberg, der Freiherren von Dahlberg u. s. w. Wie es uns bei dieser Aufzählungzn Mute ist, so mag es dereinst kommenden Geschlechternsein, wenn sie die Kontingentenliste der heutigen deutschenBundesmatrikel überlesen; und sie werden ihre Großelternbedauern wie wir die unseligen.
Zu allen von älterer Zeit überlieferten Mißständenhatte das achtzehnte Jahrhundert seine kuriosen Eigentüm-lichkeiten hinzugefügt, jegliches noch bunter nnd verderb-licher gemengt. Die Genußsucht der Mächtigen hatte dieFormen des Übermuts und der Verfeinerung von den be-kannten Vorbildern angenommen, Maitresfen waren bei dengeistlichen Herren — den Kurfürsten nicht ausgeschlosfen —eine gewöhnliche Erscheinung; Freigeisterei, Jlluminaten-,Rosenkreuzer - und Freimaurerwesen durchflochten sich —manchmal in derselben Person und jedenfalls in derselbenRegierung — mit Jesuiteuherrschaft, Obskurantismus undVerfolgungssucht. Der vorletzte Kurfürst Emmerich Joseph (von Breitenbach) 1763—1774, ein Mann von guten Ab-sichten und reinen Sitten, unterstützt von seinem wirklichstrebsamen und thätigen Kanzler von Benzel hatte unterdem Einfluß der Basedowschen Neuerungen den Grund zurUmbildung des Schulwesens gelegt, welches bis dahin inden Händen der unwissenden Mönche und Nonnen verrottet