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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Sehr bezeichnend hat der General Eikemayer (dessenMemoiren durch den um die Schilderung jener Epoche soverdienten Heinrich König veröffentlicht worden sind) seinerBeschreibung der Übergabe von Mainz die Erzählung einerrettenden That" vorausgeschickt, deren Einzelheiten dasklassische Urbild des eigentümlichen Reaktionsgenies deutscherFürsten und Ritter zusammensetzen. Die Geschichte desLüttich er Feldzugs ist ein historisches Museum der Arm-seligkeit, Feigheit, Barbarei und Ruhmredigkeit, mit welcheneine Reichstruppe zu Gunsten eines beim ersten Schreck aus-gerissenen Landesfürsten interveniert. Es ist zum Ver-wundern, wie der Erzähler überhaupt ein ganz modernerMensch die interessante Seite jener Episode heraus-gegriffen hat, gleich als ob er mit einer Art zweiten Gesichtsdie künftigen Wiederholungen ähnlicher Kreuzzüge vorher-geschaut und seiner Nachwelt das Bleibende im Wechseldeutscher Junkerwirtschaft hätte vors Gewissen halten wollen.Im Jahre 1789 war nämlich immer mit den Pariser Er-eignissen im Zusammenhang der Fürstbischof von Lüttichaus seiner Residenz entwichen, versteht sich, nachdem erTags vorher den aufrührerischen BürgernAlles be-willigt" und sich im Triumph von ihnen hatte umhertragen lassen, ob mit oder ohne schwarz-rot-goldeneFahne, verschweigt unser Berichterstatter. Darauf Reichs-Exekution, um den gesetzlichen Landesherrn zurückzuführen.Der Kurfürst von Mainz hatte die Ehre, sein Kontingentdieser glorreichen Expedition beizugesellen. Der Feldzugdauerte ein ganzes Jahr vom Frühling 1790 bis 91. Welch'ein Charakterbild vom ersten Anfang bis zum letzten Ende!Wie die Armee von 7000 Mann sich schwerfällig auf ängst-lichen Umwegen zum Angriff begiebt; wie sie vor einemeinzigen Kanonenschuß Reißaus nimmt; wie aber wehrloseKirchenbesncher von ihr niedergesäbelt werden; wie sie dann,