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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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146
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das ist der bodenlose Übermut, mit welchem die Fürsten -und Adelsklique durch Hegung der Emigranten, durch jed-wede Anfeindung und schließlich durch direkten Angriffselbst den Sturm herauf beschwor, dem sie auf so unbe-schreiblich jammervolle Art erliegen sollte; nicht ohne vor-her durch ihr Maulheldentum, durch Guts- und Bluts-geschrei und Säbelschleifen dem leichtgläubigen Bürgerein albernes Selbstvertrauen eingeredet zu haben. VonDresden bis München geht eben so manches vor, zu desseuBeurteilung uns jene historischen Exempel dienen sollten,uud nicht minder die sehr denkwürdige Thatsache, welchewir hier noch beifügen wollen. Während der kurzen Ver-handlungen nämlich, welche der Kapitulation vorangingen,ließ der Kurfürst dem feindlichen General Einigungsvor-schläge auf dem Fuß eines Separatfriedens, respektive einesNeutralitätsversprechens machen. Der General aber wardamals nicht in der Lage, einen monarchischen Rheinbnndverwenden zu können.

Die hastige Schilderung, welche uns bis hierher vonden Zeitverhältnissen und Ereignissen unmittelbar vor demÜbergang von Mainz zu geben vergönnt war, könnteobwohl der Aufgabe im strengsten Sinne fremd schonaus dem Gesichtspunkt der Analogie älterer und neuererZustände als berechtigt erscheinen. Sie war aber hier umso unvermeidlicher, als nur mittelst der ihr zu entnehmen-den Einsicht die Phänomene zu verstehen und zu beurteilensind, denen wir jetzt, als dem Mittelpunkt gegenwärtigerDarstellung, uns zuwenden wollen. Während nämlich deroffizielle Kurstaat die Emigration beherbergt und seineTheaterblitze gegen die Pariser Rebellen geschmiedet hatte,war in den gebildeten Geistern und besonders im Ge-lehrtenstande eine Strömung von gerade entgegengesetzterRichtung mächtig geworden.