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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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sammelt und zum Sterben oder Siegen angefeuert: als dieNachricht laut wurde, des Herrn Kanzlers Packwagen habesoeben glücklich die Brücke passiert. Beim ersten Alarm-schuß, dem verabredeten Signal, daß jedermann sich aufseinen Posten begeben solle, hatte das Kontingent desFürsten von Nassau-Weilburg für gut befunden, sich ausdem Staube zu machen und in sein engeres Vaterland zu-rückzukehren. Unter solchen und ähnlichen Karnevalsszenenvergingen etwa 14 Tage. Einmal kam ein besoffener Husar(drei Mann war der ganze Vorposten stark) mit verhängtemZügel angesprengt und brachte alles in Alarm, ein ander-mal wurde das Angebot eines preußischen Feldwebelsacceptiert, der sich anheischig machte, ganz allein dieFranzosen durch eine Kriegslist wegzutreiben. Bis daßder General Cüstine sich vor die Stadt legte und, vonden Reichsznständen sattsam durch seine bisherige Er-fahrung unterrichtet, mittelst einiger drohenden Anstaltenund Zuschriften an den Kommandanten die Kapitulationdurchsetzte, welche der Garnison freien Abzug bewilligte.(21. Oktober 1792.) So war das linke Rheinufer mit demBollwerk des Reichs von einer zusammengerafften, an allemnotleidenden Armee von nicht 20 000 Mann ohne Belage-rungsgeschütz und vor allem ohne tüchtige Führung ge-nommen worden. Denn Cüstine hatte weder Feldherrngabe,noch Mut, noch jenen revolutionären Schwung, welcher inandern Menschen seiner Zeit manche technischen Fähigkeitenersetzte. Er blieb den Republikanern stets als-äkvant.verdächtig, erwies sich unzulänglich uach der Einnahme vonMainz bei dem Zusammenstoß in Frankfurt , und noch vielgründlicher bei dem ganzen spätern Feldzug, den er, nebstBeauharnais, in Paris mit seinem Kopfe bezahlen mußte.Was aber mehr als alles unser Augenmerk auf sich ziehenmuß, und was wir deshalb so oft hervorgehoben haben,

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. I.