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kommen. Schiller und Goethe hatten ihre Weltherrschaftmit leuchtender Herrlichkeit angetreten. Dichterbünde, Ge-lehrtenvereine, Zeitschriften hatten die Geister in lebhafteWechselwirkung gebracht, und selbst das politische Bedürfnishatte in einzelnen Organen, wie vor allen in SchlözersStaatsanzeigen sich lebendiger Befriedigung zu erfreuengehabt. Während auf diese Weise das geistige Leben vonden ernstesten Grundlagen aufwärts sich jugendlich empor-gerungen, hatte der einmal aufgeregte Bildungs- undNeuerungstrieb in vielfältigen, mehr oder weniger dilettan-tischen Formen die größeren Massen in das Problem desJahrhunderts hineingezogen. Wir haben bereits oben aufdie Rolle hingedeutet, welche die humanistische Aufklärungs-und Geheimbündelei bei der Vorbereitung des uns be-schäftigenden Umschwungs gespielt haben. Sie hatten denKlubgeist eingeübt; sie hatten sozusagen zu der revolutio-nären Gymnastik erzogen, während von der Philosophieund Litteratur die stoffgebende Nahrung aufgespeichertworden war. So fanden sich Form und Inhalt vorbereitet.Daß aber die Sachen, einmal so weit fertig, das französischeGewand annahmen, das würde sich schon hinreichend ausder verführerischen Leichtigkeit erklären, mit welcher dieUmstände dasselbe herbeitrugen. In der That, so gewißder Versuch dieser deutschen Wiedergeburt in französischerGestalt ein Irrtum war, so gewiß war der Irrtum damalsverzeihlich. Vergessen wir nicht, daß die ganze Nationali-tätsfrage erst in unserm Jahrhundert Gegenstand des all-gemeinen Nachdenkens geworden ist; und wie ungeweckt dernationale Instinkt auf dem Herzensgrunde jener Deutschenschlafen mußte, welche seit Jahrhunderten halb dem Bischofvon Mainz , halb etwa dem Grafen von Salm nnd Steinund so gut wie nicht dem Schattenkaiser angehörten. Über-sehen wir nicht, wie die, welche hernach gern in der Not