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symbolischen Auftritten mangelte, läßt sich bei der Richtungder Zeit und bei dem Charakter der zu dergleichen Ver-anstaltungen besonders geschickten und eifrigen Bevölkerungerwarten. Insonderheit das Pflanzen der Freiheitsbäumegab den willkommensten Anlaß zu Feierlichkeiten. Hebenwir einige der bezeichnendsten Figuren aus dem Zug hervor,welcher am 13. Januar 1793 den größten dieser Bäumenach dem Marktplatz führte. Burlesk, wie sie uns er-scheinen, versinnlichen sie uns doch lebendiger als jede andereErzählung den Geist der Zeit und des Orts. Also hinterzahlreichen Trommlern und Tambourmajors schritt einherder Studiosus der Medizin Staudinger in französischerNatioualgardenuniform, die rote Mütze auf dem Kopf, undauf der Brust das für den Freiheitsbaum bestimmte Schild,mit der Aufschrift: „Vorübergehende, dieses Land ist frei,Tod demjenigen, der es anzugreifen wagt." Nach derMusik, welche die Marseillaise spielte, nach dem GeneralCüstine, flankiert von zwei Bürgern mit Piken, folgten fünfSklaven mit blechernen Ketten beladen: sie trugen ausPappe und Goldpapier angefertigt Krone, Scepter, Reichs-apfel, Kurhut nnd ein Adelsdiplom als Jnsignien des Des-potismus. Unter den Klubbisten, welche die Bänder-Endendes Freiheitsbaumes hielten, befand sich auch der PfarrerRumpel von der Kirche zum heiligen Geist. Es fehlte daso wenig, wie in Frankreich , an geistlichen Jakobinern.(Hat doch der deutsche Klerus einen der merkwürdigstenTerroristen geliefert in der Person des Eulogius Schneider ,Hofpredigers zu Stuttgart , Verehrers der griechischen Klassizi-tät, Übersetzers des heitern Anakreon und schließlich elsässischenWüterichs.) Auf einem inmitten des Marktes errichtetenAltare brannte ein Opferfeuer, in welches Cüstine denAdelsbrief und die anderen Embleme warf. Mit diesemunblutigen Autodafs schloß das Schauspiel. Aber der Ernst