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Abtretung der Rheinlande an Frankreich während dieserganzen Zeitläufte ein vertrauter Gedanke blieb und im ge-nannten Friedensschluß nichts znr Erfüllung gedieh, alswas bald österreichische, bald preußische Diplomaten demWohlfahrtsausschuß und dem Direktorium seit vier Jahreunahe gelegt hatten. Auch war es in der ganzen Zeitzwischen dem Rückzug der Franzosen und ihrer Wiederkehrdeutscherseits nicht zu einem friedlichen Besitzstand ge-kommen. Den Kurfürsten zwar hatten die preußischen Heerezurückgeführt. Er hatte während der Belagerung nur einenBesuch von wenigen Tagen bei den Zelten des Königs ge-macht und zur Schonung seines landesvüterlichen Herzensvorgezogen, in Aschaffenburg zu residieren, während seineHeerde bombardiert wurde. Dafür fuhr er hinter den sieg-reichen Truppen als Triumphator wieder ein. Die treueuMetzger, als Sinnbilder ohne Zweifel des vom Geist be-siegten Fleisches, zogen seinen Wagen. Sein erster Re-gentenakt war die Einsetzung eines Kriminalsenats zurUntersuchung gegen die Hochverräter, unmittelbar darauffolgt eine ganze Reihe von Erlasfen znr Annullierungaller Trauungen, Taufen, Absolutionen und sonstigen Ver-richtungen der Priester, welche der Republik geschworenhatten. Alle Perücken der guten alten Zeit wurden vonneuem gekräuselt und gepudert. Von da ab hörte natürlichauch jede politische Meinungsäußerung in der Stadt wiederauf. Die Häupter wareu vertrieben oder gefangen, undder permanente Kriegsstand erdrückte alle Formen desbürgerlichen Lebens. Lange Zeit hindurch geriet das ganzelinke Ufer mit Ausnahme der Stadt Mainz wieder infranzösische Gewalt. Diese selbst wurde im Herbst 1794umzingelt und im Lanf des Winters von 94 auf 95 förm-lich belagert. Es war ein Jahr, welches im Kalender fürseinen unerhörten Frost berüchtigt blieb. Auf der Eisdecke