— 172 —
des Rheins manövrierten die Kanonen wie auf fester Erde;der französische Soldat, ohnehin entblößt, litt furchtbar.Aber weder der Konvent, noch der Wohlfahrtsausschuß,noch die Generale mochten dem Gedanken Raum geben, aufMainz , als den Schlüssel des Rheinlandes, zu verzichten.Auf welchem Stand sich damals das deutsche National-bewußtsein befand, ist in einer ebenso traurigen als denk-würdigen Art aus den Verhandlungen zu ersehen, die sichzunächst um den Baseler Frieden drehen. Preußen wieÖsterreich gaben dem Wohlfahrtsausschuß unter der HandAussicht auf die Rheinlande gegen Länderentschädigungenauf dem rechten Ufer, zu welchen Frankreich die Hand bietensollte. Osterreich verlangte Baiern, Preußen Hannover .In der Pariser Regierung gab es eine preußische uud eineösterreichische Partei. Merlin gehörte zu letzterer. DerFriede mit dem Kaiser schien ihm wichtiger als der mit demKönig, und „wenn wir jenem schließlich denn Baiern zu-gestehen müssen, um den Rhein zu erhalten," schreibt ernach Hause, „ins, loi novis saut-si-ons 1s datoir." Dochkam der Abschluß mit Preußen zuerst zu Stande. DasSchicksal der Rheinlande wurde künftigem Abkommen vor-behalten, ein großer Teil vorläufig für neutrales Gebieterklärt. Inzwischen hatte Clerfayt die Franzosen zur Auf-hebung der Belagerung von Mainz gezwungen, uud es bliebunter Österreichs Schutz, bis es von diesem im Frieden vonCampo Formio an Frankreich desinitiv abgetreten wurde.
Von da ab beginnt, wie man es im Lande nennt, die„französische Zeit"; denn die dreiundneunziger Episode,oder wie sie in der Überlieferung der Volkssprache heißt:die Guschtine-Zeit (Cüstine) war nicht sowohl französischerals revolutionärer Gesinnung. Der Einverleibungsbeschlußdes Konvents, obgleich er auf alle Fälle zu einer Ver-schmelzung mit Frankreich hätte führen müssen, war in der