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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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der letzten Widerstandsversuche Bonapartes für einige Tageunters Gewehr gekommen war, kredenzte sich jetzt die Süßig-keit, als ein Trümmer derGroßen Armee" wiederaufzutauchen. Alljährlich am 5. Mai begingen die Vereinedie Todesfeier ihres Feldherrn. Ein trophäengeschmückterSaal empfing die Getreuen. Namen für Namen wurdeaufgerufen, und der Überlebende antwortete stolz mit demurtextlichen?rsssrit,"! Die Trommel wirbelte die altenMärsche, und der großmütige Rhein lieferte in Fülle denSaft der Begeisterung zum Andenken an seine eigene Ent-ehrung. Ganz natürlich und ohne allen Arg thronte zuHäupten der Gesellschaft und noch über dem Idol vonAusterlitz die Büste Seiner Königlichen Hoheit des Groß-herzogs von Hessen und bei Rhein . Die loyalen Imperia-listen erfreuten sich der allerhöchsten Protektionen. Staats-beamte der obersten Rangstufen präsidierten, Gerichts-präsidenten, Richter, Advokaten, Notare stiegen brüderlichherab zu dem gemeinen Handwerker. Die schöne Idee derfranzösischen Herrschaft verband alle Gemüter!

Die Regierung, welche dem unschuldigen Bruder Studiosein schwarz-rot-goldnes Band nicht gönnen mochte, ließdie Sonne ihrer Huld über dem kaiserlichen Adler leuchten.Und mit Recht: denn obgleich die Burschenschäftelei be-schränkt und ungefährlich war, wie die Fransquillonerie, solag doch in jener prinzipiell wenigstens der bedenklichereKeim. Der Gedanke einer nationalen Wiedergeburt ist denFürsten von jeher schrecklicher gewesen als der Gedankeeines Angriffs von außen. Der wesentliche Dienst, welchender Kultus der französischen Reminiscenzen dem Landes-oberhaupt leistete, bestand in der Unterhaltung des pro-vinzialen Sondergeistes. Mochte man auch der absurdestenund streng genommen feindseligsten Überlieferung anhangen,man war doch nicht brüderlich deutsch gesinnt; mochte das