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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Was in der Ausländerei liberaler Instinkt war, das unter-hielt er durch den Kontrast, was von Knechtssinn in ihrstak, durch die Verwandtschaft seiner Engherzigkeit. Diewenigen Franzosenverehrer, welche es noch heute in derNheinprovinz geben mag, sind alle deß sei man sichervortrefflich darmstädtisch gesinnt. Die Kleinstaaterei ist dieBrücke zwischen Frankreich und Deutschland , nicht minderist sie die Scheidewand zwischen Deutschland und sich selbst,seinem Gesamtbewußtsein, seiner Kraft, seiner Existenz alsGroßmacht, die nur in der wirklichen Staatseinheit zumDasein kommen kann. Alle föderalistischen Surrogate, dieeine solche Einheit entbehrlich machen sollen, sind jämmerlicheQuacksalbereien; kein bloßes Parlament und keine Trias,noch sonstige Phantasiegeburt abenteuerlicher Doktrinärevermag derjenigen geistigen und physischen Kraft die Wagezu halten, welche der moderne Großstaat aus seiner strengenEinheit zieht. Die Zeit, welche begriffen hat, daß zurhumanen Erziehung das Turnen gehört, sollte auch be-greifen, daß zur geistigen Volkseinheit eine strenge körper-liche Jneinanderbildung unentbehrlich ist. Der Föderalismushat nirgends die Probe bestanden von Hellas bis Nord-amerika . Es ist die letzte, aber vergebliche Transaktiondes Familiengeistes mit dem politischen Beruf. NatürlicheGrenzen hat nur die Gemeinde. Zwischen ihr und demStaat soll es nichts Drittes geben. Überall ist der Fort-schritt auf dem Wege der Union, überall das Gegenteilauf dem Wege der Bündelei. Großbritannien, Frank-reich, die Schweiz haben Freiheit und Kraft erst in dervollständigen Einigung gefunden, Italien erlebt das Nämliche,und nur die Feinde seiner Zukunft bemüheu sich, ihm Kon-föderation mit einem Dutzend Autouomieen aufzuschwatzen.Während im äußersten Westen der Föderalismus eines derglorreichsten Staatengebilde nach kurzer Blüte aufzulösen ver-