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Thaten verzeichnet, welchen die Geschichte neben das Zeug-nis persönlicher Ehrenhaftigkeit nur den Ausdruck mitleidigenVerzeihens aufs Grab setzen kann. Den Deutschen verfolgtdie Privattugend, welche ihn dem Staat entzieht und ihmden Staat verdirbt, bis aufs Schlachtfeld, und noch imTod der Ehren stirbt er für seine allervrivateste Satisfaktion.
Wenn diesseits und jenseits des Weltmeers das An-denken an die Seelenverkäuferei von dem Andenken an diehessischen Regententugenden unzertrennlich geworden (in denVereinigten Staaten hat sich das Schimpfwort „Hesfe" bisauf diesen Tag erhalten), so schreibt sich dies edle Privi-legium bekanntlich nicht von dem Umstände her, daß dieKasseler Kriegsherren allein jenem Zweige der Volkswirt-schaft oblagen, sondern von der Geschicklichkeit und Kon-sequenz, durch welche sie sich vor ihren fürstlichen Konkur-renten in dieser Industrie ausgezeichnet haben. Währendnämlich sämtliche im Lauf zweier Jahre nach Amerika ver-kaufte deutsche Unterthanen sich auf 29 166 belaufen, findenwir den hessischen Beitrag allein mit 16 992 Mann be-ziffert, also stark über die Hälfte, und außerdem wußtender Kurfürst und sein Minister die vorteilhaftesten Bedin-gungen auszuwirken. So z. B. hatte allen übrigen deut-schen Lieferanten gegenüber das englische Kriegsministeriumdie Klausel festgehalten, daß es den Sold direkt in dieHand der Truppen auszahlen müsse, nicht bloß um derÜbertreibung der Präsenzlisten, sondern auch um der Gefahrzu entgehen, daß zu Gunsten des fürstlichen Säckels demarmen Soldaten an seinem notdürftigen Auskommen etwasabgestohlen werde. Die Lords des Kabinets betonten viel-fach, daß im Interesse der Wehrhaftigkeit der deutscheSoldat so gut gehalten werden müsse, wie der englische,und sie mochten diese Sorge lieber ihrem eigenen Kriegs-zahlmeister, als dem Auge des Landesvaters anvertrauen.Aber Kassel beherrschte so sehr den Weltmarkt in diesem