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die einzigen, die sich nicht mit der übrigen Bevölkerungverschmelzen, nichts von der Sprache lernen. Die anderenzerstreuen sich sämtlich; nur der Zufall entscheidet, wer vonihnen sich der neuen Umgebung geschwinder oder langsameranpassen wird, und wer nicht; alle eignen sich bald die not-wendigste Sprachkenntnis an, und die Kinder sprechen zu-meist die Muttersprache nicht mehr.
Wieviele Deutsche mag es nun in Paris geben, nichtTonristen, Fremde, die in Gasthöfen absteigen, sondern An-sässige, die sich hier auf Lebenszeit oder doch wenigstensfür eine gewisse Dauer einrichten? Wer sich den all-gemeinen Eindruck vergegenwärtigt, der zahlreichen Begeg-nungen denkt, die er in öffentlichen Versammlungen, aufden Boulevards und vor allem in Konzerten und Brau-häusern mit Deutschen gehabt hat, wird antworten: eineUnzahl! Befragt man einen Kenner des öffentlichen Lebens,einen jener Leute, die berufsmäßig verpflichtet sind, alleszu wissen, so bekommt man eine dem unbestimmten Eindruckentsprechende Ziffer zu hören; die Angaben schwankenzwischen 80 000 und 150 000, ja uns ist sogar gesagtworden, es seien 220 000, also beinahe ein Achtel von ganzParis . Hält man aber, um diese Behauptungen auf ihreWahrheit zu prüfen, die amtlichen Ziffern dagegen, so ge-winnt die Sache einen ganz anderen Anstrich. Das stati-stische Amt des Hotel de Ville hat dem Verfasser mit einerGefälligkeit, die er mit Vergnügen anerkennt, sämtliche ausder eben erst vollendeten Volkszählung gewonnenen Ziffernfür diese Untersuchung zur Verfügung gestellt. Und wie-viele Deutsche weist diese Zählung auf? Sämtliche Staatendes ehemaligen Bundes, die deutschen Provinzen des Kaiser-tums Osterreich mit einbegriffen, haben zusammen für ganzParis, die Arrondissements Saint-Denis und Sceaux miteinbegriffen, den Zählungsbeamten keine höhere Summe als