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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Gemeinde leitet, sich freundlich zum Cicerone hergiebt, so-lange war die Sache verhältnismäßig leicht. Sobald wiraber diesen Boden verlassen, fangen wir an, weniger sicherzu gehen. Fortan werden wir es nicht mit derartigen Ge-meinschaften, gleichsam deutschen Inseln mitten im fran-zösischen Ozean, zu thun haben. Mit Ausnahme jeneskleinen Bruchteils verliert sich der ganze Rest der deutschenEinwanderung mehr oder minder unter der Menge undist in seinen Spuren um so schwerer zu verfolgen, je mehrdiese Fremden das Talent, die Gelegenheit, ja oft dieSucht besitzen, sich in die Hülle einer anderen Nationalitätzu schlüpfen. Man stößt nicht selten auf Deutsche, die einunerklärliches Vergnügen daran finden, für Angehörige einesfremden Volkes zu gelten. Mehr als einmal ist es demVerfasser dieser kleinen Studie iu Paris begegnet, daß ermit Arbeitern zu thuu hatte, die er am ersten B oder Pmit unfehlbarer Sicherheit als Fleisch von seinem Fleischund Beiu von seinem Bein erkannte. Aber wollen sieeinen verstehen, wenn man sie deutsch anredet? Nicht imgeringsten! Sie fühlen sich beleidigt und verschließen sichin erhabener und gleichgültiger Taubheit. Diese mit denFehlern und Vorzügen des deutschen Charakters eng ver-knüpfte Schwäche steht nicht außer Beziehung zu der poli-tischen Geschichte des Landes, zu der traurigen Rolle, diees unter der Führung seiner kleinern Fürsten vor Europas großen Nationen spielen mußte. Uud falls das in Nikols-burg eingeleitete Werk der Einigung nicht auf halbemWege stecken bleibt, wollen wir jede Wette eingehen, daßman in gegebener Zeit keinen deutschen Schwachkopf mehrfinden wird, der sich versucht fühlen wird, über seinen Ur-sprung zu erröten.

Wie die hessischen Ansiedler die einzigen sind, die mitbestimmtem Vorsatz der Heimkehr kommen, so sind sie auch