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die Arme, während der Deutsche den ganzen Körper krümmt.Die Gesamtzahl der Hessen schätzt man auf mindestens drei-tausend. Sie leben so vollständig für sich, daß sie keinerleianderen Umgang haben, selbst nicht mit den übrigen Lands-leuten, und wohnen zu vielen Familien in großen Häusernzusammengedrängt, die sie „deutsche Höfe" nennen. Geradeso hießen zur Zeit der Hansa die deutschen Kolonieen zuAntwerpen und London . Daß sie solide und mäßig leben,versteht sich von selbst: wer bei einer täglichen Einnahmevon zwei Franken nicht mit dem Gelde haushalten wollte,möchte es schwerlich je zu Ersparnissen bringen. Nach demZeugnis ihrer eigenen Geistlichen sind sie sogar Anbeter desMammons, geizig und geldgierig bis zum äußersten, rauhenGeistes, harten Gemüts, und es muß dem lutherischenPietismus recht schwer werden, diese widerstrebenden Elementeaus dem gewohnten Geleise zu bringen. Auch lassen unsereguten Hessen nimmermehr von ihrem ererbten, aus derHeimat mitgebrachten Katechismus, einem alten Tröster, denein Darmstädter Hofprediger namens Stark verfertigt hat,und der bei ihnen mit einem unfreiwilligen und sehr be-zeichnenden Wortspiel nur als das „starke Handbuch" be-kannt ist.
III.
Wollten wir die Geschichte und Lebensbeschreibungaller Klassen von Deutschen unter der Pariser Bevölkerungebenso ausführlich geben, wie die der Straßenkehrer, somüßten wir nicht nur den Raum eines Bandes zu unsererVerfügung haben, sondern auch noch die heutzutage so aus-gebildete Kunst, zu erzählen, was man nicht weiß. So-lange es sich darum handelte, fest zusammengeschlosseneKolonien durchzugehen, für die der Pfarrer, welcher die