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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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der sich aus dem Zustand der Geister vollkommen rechtfertigt.Trotzdem nämlich, daß die Theorien von der Gütererzeugungstets und überall besprochen werden, finden sie bei ihrerNeuheit in den meisten Köpfen noch einen ganz unvor-bereiteten Boden, und die landläufig gewordenen Stich-wörter werden nicht halbwegs verstanden. Die einfacheWahrheit, daß es in der Natur keine reine Hervorbringunggiebt, sondern nur eine Versetzung von Stoffen, ist denwenigsten bewußt, und sie betrachten daher alles, was nichtStoff oder Form zu schaffen scheint als ein parasitischesThun. Daher übersehen sie die befruchtende und schöpferischeMacht des Geldes, welches das behendeste Vehikel der Stoff-versetzung ist. Zwischen den beiden Extremen, einmal indem Geld allein den Reichtum zu sehen und ein andermalnur dessen falschen Schein, schwankt seit Jahrhunderten diepopuläre Anschauung auch der Negierungen hin und her;ja diese beiden falschen Extreme sind nicht selten in dem-selben Gehirn und System nebeneinander angenistet. Ineiner und derselben Periode sahen wir die Wirtschafts-politik der Staaten beiden Extremen huldigen, die Ausfuhrdes Geldes als des höchsten Gutes behindern, und denHandel, um dessentwilleu allein das Geld da ist, als etwasin sich Unproduktives geringschätzen. Was gerade am meisteneiner Epoche not thut, daher mit Urgewalt in ihr sich Bahnbricht und eben deshalb den schnellsten, d. h. üppigsten Lohnabwirft, das erscheint der ersten Auffassung immer als ver-dächtig, als Raub am Gemeinwesen; und die, welche nichtBeruf, Lust oder Geschick haben, mit dem neu herein-brechenden Strom zu schwimmen, erscheinen sich als dieTugendhaften und Zurückgesetzten. In der Blütezeit deszweiten Empire, welches gern zu dem höchsten Luxus desGenießens auch den Luxus der Tugend sich zulegen mochte,schrieb ein talentvoller Staatsanwalt, Oscar de Lavallee,

Ludwig Bambergcr's Ges. Schriften. I. -<>?