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ein Buch „I^ss ro.g.nisrii's ä'arAsnt", welches die Schein-künste der Geldleute ins Licht setzen sollte und wie AugiersBörsenstücke vom Kaiser mit Lob ausgezeichnet wurde. Dieproduktive Rolle der heutigen Geldwirtschaft wird erst richtiggewürdigt werden, wenn sie über die Periode der Neuheithinaus und dadurch auch dem Niveau der allgemeinen Ge-winnabwerfung wird näher gebracht sein. Vorerst aber istes vergeblich, der Zeit voraneilen zu wollen, und es ist nichtmehr als eine gerechte Kompensation, daß die Geschäfts-zweige, welche ihrem neuen Aufschwung unverhältnismäßigeVorteile verdanken, auch einen Teil Haß und Verachtungmit in den Kauf nehmen müssen. Ein zweites hängt innigdamit zusammen. Die Kunst, Geld mit Geld zu verdienen,ist, weil sie ihrer Natur nach auf der geradesten Linieoperiert, auch dazu angethan, ihren Mann im geschwindestenTempo aus dem Staub emporzuwirbeln, und wenn sie beiden Kombinationen des einen die feinste Fühlung aller ineinander greifenden Weltverhältnisse zum Gelingen voraus-setzt, so genügt ihr oft beim andern der rohe, schnellzu erwerbende Instinkt der sogenannten Spekulation. Dieletztere Art giebt hohle Emporkömmlinge, ohne Bildung, mitEitelkeit, Prunk- und Genußsucht, und so wird zugleich mitder Antipathie gegen das Handwerk die Antipathie gegendie Handwerker herausgefordert. Die Bank- und Industrie-Herren der Gegenwart werden sich in der Geschichte einstweniger stattlich ausnehmen, als die Medici und Strozzi,die Fugger, Welser, Volkamer, Hirsvogel, Viati, Peller,Holzschuher des 15. und 16. Jahrhunderts, obwohl vielleichtauch hier etliche optische Täuschung mit unterläuft.
Die Deutschen gelten sich selbst und andern für dasbestunterrichtete Volk der Welt. Ich möchte nicht mißver-standen sein, wenn ich hier einen Vorbehalt im Punkte desKaufmannstandes einschalte, der in seinem besonderen Be-