Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

259

ruf ohne Zweifel an Tüchtigkeit und Unternehmungsgeistdem aller anderen Nationen vorgeht. Über die Rührigkeit,Intelligenz und Ausdauer, welche der deutsche Kaufmannin die Fremde bis in die entferntesten Zonen trägt, alsPrinzipal wie als Kommis und Handlungsreisender, istnicht Erstaunliches genug zu sagen. Da steht er ganz un-erreicht da. Nur im Punkte der sogenannten klassischenBildung und der Berührung überhaupt stehen die Kauf-leute Englands und Frankreichs ihrer gelehrten Welt imganzen näher. Das kommt allerdings zum Teil daher,daß die Gelehrten selbst in beiden letztgenannten Ländernder Welt und insbesondere den reichen Klassen der Heimatnäher stehen als bei uns ein Unterschied gegen deutscheZustände, der früher noch viel stärker ausgeprägt war,und diesseits im Abnehmen begriffen ist. Die meistendieser Erscheinungen hängen mehr oder weniger mitunserem Vermögensrückstand, verglichen mit dem jenerbeiden anderen Nationen, zusammen. An diesen knüpft sichunter anderm der altüberkommene Mißbrauch, daß währendder Lehrzeit die jungen Leute viele Jahre hindurch umsonstarbeiten, ja manchmal für die Erlaubnis, als Lehrlinge zuarbeiten, dem Prinzipal zahlen müssen. Letztere Unsitte ver-liert sich nachderhand, aber das erstere bildet noch die Regel,während in England der kleinste Junge, vom Tage seinesEintritts an, Gehalt bezieht, und in Frankreich meist nachdem ersten Jahr. Daher kommt es, daß die Knaben beiuns früher aus der Schule genommen werden. Deutsch-land ist auch speziell das Land derRealschulen", einGattungsbegriff, den man anderwärts nicht kennt. EinVersuch, den ein französischer Unterrichtsminister (Fortoul)machte, die Schüler der höheren Anstalten von den mittlerenKlassen an nach der wissenschaftlichen und der realistischenLaufbahnbifurkieren" zu lassen, kam nicht auf, und im

17*