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Durchschnitt bildet die klassische Erziehung des Kaufmanns,wie bei uns die Ausnahme, so in England und Frankreich die Regel. Über die Zweckmäßigkeit soll hier nicht gestrittenwerden, die Thatsache an sich spielt aber eine Rolle in derGesamterscheinung, welche als um sich greifender, ver-flachender Materialismus in Deutschland beunruhigt. Zueinem gewissen Grad entspringt eine ausgleichende Wirkungaus der Tendenz, welche die individuellen Geschäfte zu un-persönlichen Gesellschaften umbildet; denn diese ziehen durchden Bedarf nach höheren Verwaltungskräften eine Anzahlstudierter Juristen oder Kameralisten in das Kaufmanns-fach herüber. Das ideale Bedürfnis des höheren Mittel-standes wurde bei uns sonst beinahe ausschließlich durchdie Musik befriedigt; diese sinnlichste der Künste eignet sichauch am besten dazu, die größten Massen in den Kreis desästhetischen Lebens zu ziehen, schon ihrer Wohlfeilheit wegen.Es ist eine überall zu verfolgende Erscheinung, daß dieMalerei zu ihrer Hegung mehr des Geldes bedarf. InItalien, in Süddeutschland, in Flandern, in Holland , inden letzten Decennien in Frankreich , erblühte die Malereiunter der Gunst der sich anhäufenden Reichtümer. Wodie Geschäfte und namentlich wo die Börsen florierenwächst die Bilderliebhaberei. Man frage die deutschenMaler nach dem Verbrauch und den Preisen, die vor zehnJahren noch in Wien und Berlin maßgebend waren, ver-glichen mit den heutigen. Die gelderwerbenden Klassenhaben eine besondere Neigung, sich auf das Gemäldesammelnzu werfen. Das Bild ist nicht wie die Musik ein imMoment des Genusses verfliegendes Produkt, es ist kör-perlich bleibend, faßbar. Das ist schon eines. Das zweiteist, daß in dem Luxus der Gemälde jede noch so großeSumme Platz findet. Und ist diese Geschmacksrichtungeinmal Mode, so wird zum Überfluß das Geschäft des