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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Sammelns auch als Geschäft nicht schlecht; in glücklicherHand repräsentiert der steigende Marktwert guter Bildermehr als den Zinsverlust des toten Kapitals. Endlicheignet sich das Ding zum Schmuck und zur Schaustellungzugleich; ein bekannter, eingerahmter Name wirkt, ohne anSchönheitseffekt einzubüßen, nebenher auch als eingerahmtesBankbillet. Ein Engländer machte sich die Sache einfacher,indem er, statt einer Galerie, die einzige im Betrag von10 000 Pf. St. ausgegebene Note der Bank von England in seinem Salon unter Glas an die Wand hängte. Beider Wechselwirkung zwischen der Finanzwelt und dem Ateliergereicht es zur Beruhigung, daß letzteres nicht viel Gefahrläuft, sich von ersterer falsche Geschmacksrichtungen einflößenzu lassen. Höchstens wird einmal etwas Extravaganz oderManier ermutigt; aber im ganzen haben die Maler einegesunde Verachtung für ihr reiches Publikum und fühlensich ihm gegenüber zur Geschmacksdiktatur verpflichtet, undder wachsende Luxus, der vielfach den musikalischen Ge-schmack verdirbt, läutert den der Malerei. Ihr kommt ebenzu gute, daß sie nicht vor großen versammelten Massenauf einmal einschlägt und nicht auf händeklatschenden Applausangewiesen ist. Die Versuchung zur Abirrung ins Triviale,ins Nebensächliche, ins Gemeine, bleibt ihr dadurch ferne,und während Ballet, Cancan, elektrisches Licht und anderezum Teil höhere Blendwerke der Jnscenierung und In-strumentation sich der Oper bemächtigten, vertiefte und ver-einfachte sich die Richtung der Malerei, welche das flachePfeifenkopf-Genre und die kaum weniger flache Behandlunghistorischer Theatergruppen links liegen ließ. Dagegen sindwir allerdings auch bedroht, in dem Punkte der geist- undverstandlosen Kuriositätensammelei in die französischen Fuß-stapfen zu treten. Die schnelle Anhäufung von Reichtümern,welche auch im Luxus stets nach einem dem Zufluß ent-