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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Veröiröt Sie Politik öen Eharakter?')

i.

^)ie berühmte Frage, was das Glück sei, harrt nochimmer ihrer Beantwortung trotz aller Fortschritte derElektrizität und Mikroskopie. Und das ist ein wahres Glück!Schon das leidige Bedürfnis nach Glück mache das Lebenunerträglich, meint ein stiller Denker unserer Zeit. Wieerst, wenn das Rätsel gelöst würde? Wenn männiglich sichnach dem erkannten einen Ziele hindrängte? Denn daßdie Menge der Bewerber immerfort anschwillt, darin liegtdas Zeichen der Zeit. Das Bedürfnis nach Glück breitetsich aus in Form erwachender Erkenntnis und treibt weitervorwärts, zieht immer größere Zahlen zu immer größeremBedürfnis heran. Befriedigt aber wird der Mensch niemals.Was man Fortschritt und Kultur nennt, ist nichts anderesals der ewig neue Durst, der auf den eben gelöschten folgt.Ein anderes Glück giebt es nicht, da es keinen Stillstandgiebt. Daher der Ausspruch: das Glück sei eigentlich dasUnglück.

^) Dieser Artikel, sowie der darauf folgende von Karl Hillebrand erschien in einer der ersten Nummern derFreien Stunden", eines litte-rarischen Beiblattes zurTribüne", im März und April 1882. Erwar veranlaßt durch die Gründung eines sogenannten parteilosen Blattes,welches unter dem Wahlspruch, daß die Politik den Charakter verderbe, an-gekündigt wurde.