Allem Streit in der Politik liegt dieser Zwiespalt zuGrunde. Die Einen suchen zurückzuhalten, weil sie meinen,je mehr Elektrizität und Mikroskopie, desto mehr Bedürfnisnach Glück, d. h. desto mehr Unglück für die Welt. Dieandern schieben vorwärts, weil sie denken: ein anderes Glückgiebt es überhaupt nicht.
Bedeutet das Gewinnen in die Breite wirklich einenVerlust nach innen? Sind die wenigen Bevorzugten glück-licher gewesen, als das Bedürfnis nach Glück noch dievielen nicht aus dem Schlaf geweckt hatte? Und warenzugleich die vielen damals weniger unglücklich?
Zwei Weltanschauungen beherrschen die Geister. Mankönnte sie die qualitative und die quantitative nennen.Jener kommt es gar nicht darauf au, welche Zahlen aneinem Zustand der Vollkommenheit Teil nehmen, sondernnur, wie vollkommen der Zustand selbst ist. Man kanndiese Auffassungsweise auch nach der negativen Weise wendenund z. B. von einer großen Katastrophe behaupten, ihreFurchtbarkeit bestehe nur in der Phantasie der Zuschauer;im Grunde sei es einerlei, ob tausend Menschen zugleichumkommen oder nur einer, weil doch jeder nnr seinenTod stirbt.
Die qualitative Weltanschauung ist die aristokratische.Die Bevorzugten und die Feinschmecker des Lebens huldigenihr vom positiven, die schlachtberauschten Völkerbezwingervom negativen Standpunkt aus. Napoleon sprach voneiner Million Menschen, die er für einen neuen Feldzugbrauche, wie von einer Kleinigkeit. Umgekehrt vertritt dieDemokratie das Recht der Quantität.
Es kann kein Einsichtiger bezweifeln, welcher Gedankeheute die Menschen und ihre Entwicklung beherrscht: alleProbleme werden gefaßt und gelöst im Sinne der Demo-kratisierung des Daseins.