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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Ob die höchste Wissenschaft daran Ärgernis nimmt, daßsie vom populären Bortrag in die Verflachung gezogenwerde; ob die über die Straßen der Hauptstadt rollendeKarosse des Reichen sich an der Schiene der Pferdebahnstößt es geht hier und dort ein- und dasselbe vor.

Die Heerstraße des Lebens wird immer breiter, ge-waltiger, geräuschvoller, verschlingt alles und zieht alles au.

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Macht die Politik, d. h. die Beschäftigung mit ihr uu-glücklich? Denn darauf wird die Warnung vor ihr hinaus-laufen müssen, wenn dieselbe auf abschreckenden Erfolgrechnen will. Die Gefahr, an innerer Vortrefflichkeit ein-zubüßen, würde wenig Eindruck auf die Menschen machen,wenn sie nicht dächten, es sei darunter die Gefahr der Ein-buße an Wohlbehagen verstanden.

Soll etwa hier mit der Warnuug vor der Politik einsanfter Versuch gemacht werdeu, die demokratische Bewegungder Zeit auf Nebenwegen in aristokratische Bahnen zulenken? Dabei kann es weder auf die oberen noch auf dieunteren, sondern einzig und allein auf die mittleren Schichtenabgesehen sein. Denn da nicht die Politik überhaupt ausdem Leben verbannt werden soll, so kann auch nicht derGedanke bestehen, sie allen zu verleiden. Zunächst nichtdenen, die auf der Höhe des Lebeus wandeln. Fürsten ,Minister, Würdenträger des Staats sind von der Politiknicht loszulösen, Männer der Wissenschaft nicht, wo immerdiese in die Politik hineinragt, also Rechtsgelehrsamkeit uudPhilosophie mit ihrer Ausmüudung in die Volkswirtschaftund das Wort sagt es schon Sozialpolitik. DerKreis erweitert sich bei weiterer Betrachtung immer mehr.Man denke z. B. nur an Finanz und Großhandel in ihremZusammenhang mit den Staatsgeschästen.