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So wenig wie an die oberen Schichten der Gesellschaft,so wenig wendet sich die Warnung an die unteren, nuraus dem entgegengesetzten Grunde. Jene kann man nichtfernzuhalten denken, diese braucht man nicht fernzuhaltenin dem Sinne, wie es hier gemeint ist. Ihr Leben gehörtviel zu sehr der Plage ums tägliche Brot, als daß sie starkder Versuchung ausgesetzt wären, sich Kopf und Busen mitSorgen anzufüllen, die keine Lebenssorgen sind. Und wenneinmal die Versuchung Macht gewinnt über den Sinn dergroßen Massen, sei es, weil sie von außen aus ihrerGleichgültigkeit aufgestört werden, sei es, weil sie einFieber von innen schüttelt, ach! da lassen sie gewiß sichnicht irre machen durch die wohlmeinende, schönseligeMahnung, daß sie Schaden leiden könnten an ihrem un-sterblichen Teil, an dem harmonischen Gleichgewicht desGemüts. Das ist ein Luxus, um den sie nicht bangesind. Die Warnung vor der Politik wendet sich rechteigentlich und ausschließlich an diejenigen, welche manschlechthin als den gebildeten Mittelstand bezeichnet, anden breiten Durchschnitt, der über einen mäßigen Vor-rat geistiger und häuslicher Mittel zur Bestreitung desDaseins verfügt. I^atst a-riAuis in. tisrda. Einst zurSchöpfungszeit war die Mission der Schlange gewesen, dieMenschheit aus der Unschuld des Paradieses herauszulocken.Jetzt scheint ihr der Auftrag geworden zu fein, sie wiederin die Unschuld hineinzulügen, die doch — einmal ver-loren, und wie verloren heute! — nie mehr wieder zu er-obern ist. Nun soll ein neues Paradies der Unwissenheitund Harmlosigkeit umfriedigt werden für die, welche geradeAnteil genug am menschlichen Dasein haben, um sich dessenmit einigem Behagen zu freuen.
Es ist kein Zufall, daß solch ein frommer Ratschlaggerade jetzt kommt, in einer Zeit nämlich, wo die Politik