— 297 —
Miene macht, das ganze menschliche Dasein an sich zu reißen.Schon vor langer Zeit bemerkte jemand sehr richtig: MögetIhr Euch nicht mit der Politik beschäftigen, — das wird diesenicht abhalten, sich mit Euch zu beschäftigen! Uud wie be-scheiden und begrenzt in ihrem Dichten und Trachten warnoch die Politik, von welcher jener sprach! Heute — wasgehört ihr nicht? was soll ihr nicht in Bälde alles zu-fallen! Von der Wiege bis zur Bahre, vom Morgen biszum Abend, wie er wohnt, wie er sich nährt, wie er sichamüsiert und wie er denkt, ja wie er für seine Nächstenim tiefsten Innern fühlt, Alles soll dem Menschen, — neinnicht mehr dem Menschen, dem „Staatsbürger" — die All-weisheit, Allmacht, Allgüte des Staates vorzeichnen. Da-gegen alles was er aus sich selbst heraus empfinden, hoffenund schaffen kann, wird zum Greuel gestempelt, als das gott-lose „Gehenlassen wies Gott gefällt". Tretet ein mit Eurerganzen Seele in das Staatsparadies, d. h. befehlet EnrenGeist in die Hände der Politik und: sritis sicut vkus.So lautet der modernste Schlangenspruch, — und in dem-selben Moment fügt das liebe Tier hinzu: „Kümmert Euchnicht um die Politik! Dankt dem Herrgott jeden Morgen,daß Ihr nicht braucht fürs römische Reich zu sorgen." Istdas nicht wunderbar? Ist es nicht wunderbar, wenn eingroßer Politiker, der alles und jedes zu Politik macht,uicht müde wird, zu sagen: Volksvertreter sollten eigentlichkeine Politiker sein!? Wer denkt da nicht an das unappetit-liche Bild von der Suppe, die dem Tischnachbar ver-dorben wird?
Soviel ist klar: wollte die von selbst immer breiterwerdende mittlere Schichte die Mahnung zur Gottähnlichkeitbeherzigen, sie würde eingezwängt und eingepreßt werdenin eine große eiserne Klammer, deren zwei Arme heißen:Aristokratie und Proletariat, eine herrschende und eine