— 317 —
reiner Gewinn. Das wird man wohl dem demokratischenZeitalter selbst ins Gesicht sagen dürfen, insonderheit aberdenen, welche, obwohl nicht verschmähend, die demokratischeZugkraft des Jahrhunderts als höchst brauchbar an ihrenWagen zu spannen, dabei durchaus nicht verhehlen können nochmögen, daß sie die Erhaltung und Befestigung der Autori-tät für das Unentbehrlichste ansehen. Und zwar nicht nurdie persönliche Autorität der überlegenen Einsicht, welchenoch am ersten neben der demokratischen Souveränetät denk-bar ist, sondern Autorität der verschiedensten Art: Autoritätder Obrigkeit göttlichen Ursprungs, der Geburt, der Stellung,der Kirche nnd der über jede Diskussion erhabenen Sitten-lehre.
Hier ist es, wo wir stutzig werden dürfen, wenn wirsehen, daß hervorragende Vertreter dieses Autoritätsprinzipsdie Gefahr heraufbeschwören, durch Enthüllungen aus dengeheimen Briefschaften die Menschheit irre zu machen ander Gemeingültigkeit der Grundsätze, welche sie zwar tag-täglich in salbungsvollen Worten dem Volke predigen lassen,deren bindende Kraft aber man in ihrem politischen Ratenund Thaten, wie sie es da enthüllen, vergeblich sucht.
Wohlverstanden, es ist hier die Rede nicht von dem,was man thut, sondern von dem, was man eingesteht.
Es ist in der Politik immer mit trübem Wasser gekochtworden, das weiß man und wird es sobald nicht ändern.Aber daneben verdient die Frage aufgeworfen zu werden,welche Rückwirkung es auf die große Zahl ausüben muß,auf die große Zahl, an welche jetzt immer mehr appelliertwird, wenn man sie auf die nackten Thatsachen, welche sichzu sehr zweifelhafter Moral bekennen, sozusagen mit derNase hinstößt.
Denn was von diesen politischen Enthüllungen als mo-ralischer Niederschlag zurückbleibt, ist doch immer wieder das,.