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was man den Lehren der Jesuiten als den schwersten Vor-wurf angeheftet und womit man ihnen auch den schwerstenStoß versetzt hat: daß der Zweck die Mittel heilige. Ganzhaben es auch die Jesuiten niemals Wort haben wollen,und ausdrücklich habe« sie es niemals so formuliert. Aberin Wirklichkeit lag die zersetzende Quintessenz ihrer Sitten-logik darin, daß sie nach Umständen jede sonst verboteneHandlung für erlaubt und sogar für geboten erklärten, wennes dem Thäter nur gelänge, bei seiner verbotenen Thatmehr auf die erlaubte Endabsicht, als auf auf den dahin-führenden Weg feine Intention zu richten.
Die Welt, die sehr wohl verstand, daß sich bei dieserSophistik das zu ihrem Bestehen unentbehrliche Fundamentdes Sittengebäudes nicht erhalten ließe, hat dieselbe ver-dammt. Und wenn die faktische Gutheißung der politischenJesuitenmoral, welche unvermeidlich aus den Urkunden dergeheimen Archive durchsickert, so weiter geht wie im letztenJahrzehnt, so wird dadurch eine Gefahr für das allgemeineBewußtsein herbeigeführt werden, vielleicht und hoffentlichauch eine Heilung im Brauch selbst.
Fürst Bismarck hat in den ersten auf seine großenTriumphe folgenden Jahren wiederholt sich verwahrt gegenden Spruch von Blut und Eisen, den man ihm in denMund gelegt hatte. Er gehorchte darin einem richtigenImpuls. Und so wenig wir auch glauben, daß er damalsein anderer gewesen wie jetzt, wir können uns des Ge-dankens nicht erwehren, daß das Gefühl für die Notwendig-keit dieser Verwahrung ihm damals aus dem lebendigerenZusammenhang aufstieg, in welchen er mit den edlerenFreiheits- und Humauitätsbcstrebungen der Nation sichbefand. Es war die Zeit, da er mit den Jesuiten beiderKonfessionen gebrochen hatte, in der Hauptsache wohl nur,weil sie seiner großen Politik Hindernisse in den Weg legten;