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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
324
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Recht, sich danach ein Vorbild zu machen und dieses aufBeweggründe und Zwecke zu übertragen, welche himmelweitvom Vorbilde entfernt liegen.

Es liegt uns fern zu behaupten, daß in den Bis-marckschen Berichten aus der Frankfurter Zeit sich Aus-lassungen fänden, die sich an Verfänglichkeit und Ungeniertheitmit dem oben angeführten Aktenstück messen könnten. Zwarist die Poschingersche Sammlung nicht aller Zurichtung ent-gangen, aber wir kennen aus ihr und aus zahlreichenfrüheren Enthüllungen die Art und Weise der BismarckschenFeder genugsam, um in aller Sicherheit sagen zu können,daß sie mit einer Bedachtsamkeit und Selbstbeobachtung ge-führt zu werden Pflegt, die solche Ausschreitungen undeuk-bar macht. Einem Friedrich Wilhelm IV. uud Manteuffelgegenüber wäre außerdem eine so lose Sprache, wie deritalienische Minister sie dem selbst für einen Italiener nochbesonders ungebundenen Victor Emauuel zum besteu gab,von vornherein unmöglich gewesen.

Nichtsdestoweniger besteht eine Verwandtschaft zwischendem Gedankengang, der sich dnrch die Frankfurter Berichte,und dem, welcher sich durch die successiv veröffentlichten ge-heimen Akten des österreichisch-italienischen Kriegs zieht. DieAnalogie der geschichtlichen Vorgänge selbst entspricht be-kanntlich durchaus dieser Analogie der Akten.

Die Verschiedenheit des Temperaments, der Sitte, desGlaubens, der ganzen Lebensformen kommt natürlich in derVerschiedenheit zum Ausdruck, in welcher die geheimen Be-kenntnisse des katholischen Südens gegen die des pro-testantischen Nordens abstechen. Aber die Wirkung auf dieumgebende Welt gleicht sich eben deshalb auch wieder aus.An dem unstrengen und leichtlebigen Italiener wird kaumbeachtet vorübergleiten, was den ernst und gradlinig denkendenDeutschen vor den Kopf stößt. Wir hören jetzt so unendlich