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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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sandten mit seltenen Ausnahmen friedliebende Leute sind.Schon der berechtigte Wunsch, ihre Gemahlinnen im sonnigenGenuß dieser erstrebenswertesten aller Befriedigungen weib-lichen Ehrgeizes nicht zu stören, stimmt sie zu jener Mildeder Gesinnung, welche ihnen als Gehilfen der Völkerhirtenwohl ansteht.

Wie anders verhält es sich mit den Journalisten!Auch sie werden zwar viel gescholten, aber noch mehr ge-lobt, weil sie nämlich viel gefürchtet werden; und wie solltees anders sein, da sie es in der Hand haben, die Menschengut und schlecht zu machen, oder was noch wirksamer ist,berühmt und unberühmt. Denn wer möchte heute nicht be-rühmt sein, wer hätte nicht ein Buch geschrieben, das ergelobt, oder wenn es nicht anders sein kann, wenigstensgetadelt zu lesen wünscht? Der Journalist aber kannschweigen, er kann totschweigen, wie der furchtbare, ebendarum so bezeichnende Ausdruck lautet. Das Nichtredenist die schärfste Waffe, welche Mutter Natur dem redselig-sten aller Geschöpfe für den Kampf ums Dasein mit aufden Weg gegeben hat, und oft ist dasselbe grausam genug,von ihr Gebranch zu machen.

Aber leider schweigt es nicht immer an der rechtenStelle! Wie viel besser stünde es um die Auseinander-setzungen zwischen den Völkern, wenn die Journalisten sichetwas weniger laut um dieselben kümmern wollten! Derfranzösisch-deutsche Krieg vou 1870 wäre schwerlich zumAusbruch gekommen ohne die Pariser Zeitungen, und wennseitdem der Friede erhalten geblieben, so ist es nicht dasVerdienst der französischen, aber wohlgemerkt, auch nichtder deutschen und der russischen Journalisten. Wären dieRegierenden und ihre Diplomaten nicht kaltblütiger undfriedliebender als die Stimmführer in der Presse, so würdees schon längst wieder von den Vernunftgründen der