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Vor allem erhebt jeder, an den man sich wendet, die Ein-rede: „der andere hat angefangen!" Frage man in Deutsch-land, in Frankreich, Rußland , überall stößt man auf dieAntwort: „nicht wir sind die Schuldigen, jene draußeusind es". Aus diesem vitiösen Zirkel giebt es offenbar nurden einen Ausweg, daß jeder bei sich anfange, ohne zufragen, was der andere thut. Wo jeder den anderen an-klagt, darf auch jeder sich sagen, daß er nicht ganz vonSünden frei sein wird. Und wo jeder Partei ist, kannniemand Richter sein.
Das Hauptunglück kommt daher, daß die meisten Jour-nalisten morgens, mittags und abends die Zoruesaus-brüche ihrer ausländischen Kollegen lesen, sich ganz davonerfüllen und durch eine mir zu natürliche Reflexbewegungder Nerven getrieben werden, mit gleicher Münze heimzu-zahlen, ja, dies für ihre heiligste Pflicht halten. O! esgeschieht alles im besten Glauben; das ist eben das Un-glück. Und wenn die Journalisten sich zanken, meinen dieVölker sich in den Haaren zu liegen. Es würde einem,der selbst die Feder führt, schlecht anstehen, geringschätzigvon der Presse zn reden. Aber dennoch möchte ich einem,jeden, der sich über einen Zeitungsartikel erbost und znneuer Bosheit fortreißen läßt, die schöne Geschichte wieder-holen, die Alfred de Musset von sich erzählt. Eines Tags,da seine große Verstimmung einem alten englischen Herrnaufsiel, frug ihn dieser nach der Ursache. Müsset erwiderte,ein Journal habe ihn schändlich angegriffen, worauf derEngländer in seinem gebrochenen Französisch ausrief:Hu'sst-os «zu'uri ^ourrial? IIn ^oruns,! e'sst uns ^snnsIromms. „Was ist ein Journal? Ein Journal ist einejunge Mensch!" Und wie viele solche junge Menschen giebtes auch unter den ältesten ihres Geschlechts!
Die deutschen Journalisten uud deutschen Leser be-