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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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verwinden haben. Diegroße Politik" kann ja manchmalin ihrer Weisheit es für nützlich halten, einenKrieg inSicht-Artikel" loszulassen, dafür hat sie dann ihre eigenenOrgane. Wenn ich aber die Ehre hätte, ein großes un-abhängiges Blatt zu redigieren und es würde ein solcherDienst von mir verlangt, fo würde ich die Antwort geben,welche der Aufseher des zoologischen Gartens in Frank-furt a. M. dem Bedienten der Baronin Bethmann gab.Dieser richtete nämlich im Namen seiner in der Nähewohnenden Gebieterin den Auftrag aus, der Hirsch, welcher sei es aus Zahnschmerzen oder aus Liebesschmerzeuso sehr schrie, möchte zum Schweigen gebracht werden.Bitte", lautete die Antwort,kommen Sie doch hereinund sagen Sies dem Hirsche selbst".

Die Tagespresse hat viel zu thun, aber sie thut nochmehr als man von ihr verlangt. Dazu gehört das Wieder-geben und Widerlegen aller Jnvektiven, welche irgend einauswärtiges Blatt manchmal ein ganz obskures los-läßt. Es wäre besser und würde viel weniger Arbeitmachen, wenn man sich darauf beschränkte, das hervorzu-heben, was zur Beruhigung beitragen kann; der militärischenKriegstüchtigkeit würde das keinen Eintrag thun.

Am nächsten Weihnachtstag werden wir, wie alljährlich,an dem Kopf jeder Zeitung einen Schulaufsatz finden, vollOrgelton und Glockenklang, überschrieben:Freude im Himmelund Friede auf Erden." Darin wird er besungen und be-lobigt der liebliche Knabe gelagert am ruhigen Bach. Ichmöchte einen Vorschlag zur Güte machen. Einmal imJahr ein Donnerwetter zur Erleichterung der kriegerischenJournalistenbrust, und die übrigen 364 Tage möglichst vielvon dem, was zur Besänftigung der Nationen gereichenkönnte, die doch schließlich alle dieselben menschlichen Fehlerund Tugenden mit sich herum tragen.