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nationalen Selbstgefühls wieder aus. Das ist „ein Schwören,Rasen, Poltern" ohne Ende. Und zu welchem Zweck?Allerdings, es schafft Erleichterung von dem Unwillen, denman über das Schwören, Rasen, Poltern des andern Teilsempfunden hat. Aber wenn es vergönnt wäre, von derFiktion auszugehen, daß die Presse da sei, um besserndans Menschen und Zustände zu wirken, so müßte man dochzu erwägen geben, ob die Leute durch die Grobheiten oderBosheiten, die man ihnen an den Kopf wirft, gebessertwerden, auch wenn sie noch so unrecht haben.
Wir sind nicht bloß Jahr aus Jahr ein mit Frank-reich und Rußland verzankt, sondern mit der halben Welt.Es giebt ein paar große deutsche Blätter, die stets mitHaß und Verachtung gegen die Engländer geladen sind, dierespektabelste Nation der Welt, die uus weder liebt uochhaßt. Uud warum dies? zu welchem Zweck? das hat nochniemand ergründen können. Aufmerksamen Zeitungslcsernwird es uicht entgangen sein, daß deutsche Korrespondentenin fremden Ländern beinahe immer gegen die Regierungdes Landes, über das sie berichten, Partei nehmen, stattsich objektiv zu verhalten, wie Fremden natürlich odermindestens geziemend wäre. Wenn wir von diesem Hadernach außen noch wenigstens das Hütten, daß wir etwasbrüderlicher nach innen empfänden; wenn wir wenigstensdie Lehre des Evangeliums verwerteten, wie jener Kapuziner:„Liebet Euch unter einander, denn wer sonst, zum Teufel,soll Euch lieb haben?" Aber selten ist Deutschland so inUneinigkeit zerrieben gewesen, wie seitdem es „ein einigBolk von Brüdern" geworden.
Wir hätten doch einen besonderen Grund, das Bei-spiel der Mäßigung zu geben. Deutschland ist Sieger ge-wesen und ist heute jedem einzelnen gegenüber gewiß derStärkere. Lassen wir das Aufbrausen denen, die ihren,wenn nicht gerechten, so doch begreiflichen Groll noch zn