wäre das ganz entschieden ein solcher. Ich weiß, dieWagnerianer wird man nicht dazn bekehren, denn derMeister hat es so gewollt, und man braucht nicht einmalzu fragen: wer weiß, was er gewollt? wie es am Ende desBurschenschaftliedes heißt. Man weiß es ganz genau. ÜberReligion läßt sich nicht streiten, und das Wagnertum iftReligion. Daß Dunkelheit zum Mysterium gehört, ist selbst-verständlich. Unsichtbares Orchester, unsichtbare Zuhörer,unsichtbare Mächte und noch etliche andere Unsichtbarkeitentragen zur Steigerung dunkler Gefühle bei und haben ge-wiß das ihrige gethan, der Bayreuther realistischen Romantikden Weg zu bahnen. Neben der Wagner-Religion hatnoch eine zweite zur Verdunkelung der Vorstellungen miteingesetzt, nämlich die Religion der Meininger. Ist es demWagnerischen Sinn mehr um die nächtliche Dämmerung imBereich der Zuhörer zu thun, so handelt es sich bei demdes Meiningers um die möglichst große Helligkeit auf derBühue. Weun der Zuschauer ergötzt werdeu soll durch dieechte Ziselierung einer römischen Vase im SchlafzimmerCäsars, so muß ein grelles Licht auf die Bühne fallen, undzwar auf die Bühne allein, damit alle die einzelnen Neben-fachen, welche hier zur Hauptsache gemacht siud, um sowirkungsvoller zur Geltung kommen.
Diese beiden Religionen und ihr Kultus sollen alsounbehelligt bleiben. Ich fühle mich ihnen gegenüber soprofan, daß mir nicht beikommt, mit ihnen rechten zu wollen.Aber lasfet uns andere als gewöhnliche Menschenkindermenschlich miteinander reden. Graf Hochberg hat ganz ge-wiß recht, wenn er meint, ein Schauspiel werde dadurcherhöht, daß alles dabei Mitwirkende harmonisch ineinandergreife, und daß vollends die große Oper geradezu nachsolcher Harmonie schreie. Mitwirken, sage ich, und mitvollem Bewußtsein. Denn wirken nicht die Zuschauer mit?