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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Was braucht es mehr als das Zitat aus dem Buch derBücher:

Die Damen geben sich und ihren Putz zum BestenUnd spielen ohne Gage mit."

Ja, sie spielen mit, sie sollen mitspielen, uud auch wiranderen, wir wenn wir nicht Offiziere sind unschein-bar gekleideten Männer sollen mitthun, denn was wärensonst in aller ihrer Herrlichkeit! die Damen? EinTheaterstück kommt nur dadurch zur Existenz, daß es voreiner Menge aufgeführt wird, an deren nicht individuali-siertem, sondern an deren Kollektivbewußtsein es seineStrahlen bricht. Man frage nur die Schauspieler! Siemüssen dieses Mitwirkens von der andern Seite so fort-während teilhaftig werden, daß sie ohne Beisallsbezeugungennicht gut spielen können. Die Rachel versicherte, daß ihrselbst der Schein dieses Beifalls, die bezahlte Claque, un-entbehrlich sei. Und nicht bloß dem thätigen Teil, demAkteur", geht es so, auch dem passiven, dem Zuschauer.Aus dem einzigen Umstand, daß König Ludwig II. für sichallein Vorstellungen geben ließ, drängt sich schon unver-meidlich der Rückschluß auf, daß er kein normaler Menschwar. Das Theater läßt sich nur in Gemeinsamkeit mit dergroßen Zahl genießen. Alle seine Eindrücke gelangen erstdann zu ihrer vollen Bestimmung, wenn sie elektrisierenddie Kette der Zuhörer durchschüttern und dieselben zu einemin potenzierter Erkenntnis und Empfindung verbundenenGesamtwesen verschmelzen.

Die Sinne, Auge und Ohr, durch welche das Theaterauf die Menge oder richtiger mit der Menge zusammen-wirkt, verlangen dabei natürlich ihre Befriedigung vor allemaus dem Born der Schönheit, am meisten aber gerade inder Oper. In dieser soll das Höchste geleistet werden, wasdie Phantasie durch den Zauber der Erscheinung und der

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. I.