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Töne in Schwingung setzen kann. Was ist natürlicher, alsdas Verlangen, den Einklang damit auch im mitspielendenPublikum herzustellen?
Es ließe sich viel über den Maßstab, der hier anzu-legen ist, sagen. Doch würde das zu weit von meinemEndzwecke ableiten, welcher dahin geht, zu zeigen, daß einfestlich geschmücktes Auditorium bei unseren während derVorstellung verdunkelten Häusern ein Unsinn wäre. Dergebildete Mensch kommt doch höchstens fünf Minuten vordem Aufrollen des Vorhangs. Es gehört zu den kostbarstenVorzügen unserer Bühnengewohnheiten, daß wir nicht dietötend langen Zwischenakte haben, welche z. B. in Paris zum unerläßlichen Anstand gehören, damit nicht Gott be-wahre die Vorstellung vor Mitternacht zu Ende sei. Esist zu fürchten, daß, wenn die geputzten Abende durchgreifen,die Zwischenakte länger werden, wenn nicht die wahre Hilfekommt in Gestalt des Lichts auch während des Akts. IInxiü äi lues! das ist der Ruf, den Graf Hochberg beidieser Gelegenheit erhören sollte. Oder meint er wirklich,eine Dame werde zwei Stunden lang Toilette machen, umin zwei oder drei Zwischenakten zehn Minuten lang ange-sehen zu werden? Mit zwei Stunden trete ich gewiß keinerzu nahe, es ist ein gutes Durchschnittsbedürfnis, das hierzu Grunde gelegt ist.
Und warum sollte dieses Dunkel nicht gelichtet werden?Ich behaupte, das Verdunkeln des Zuschauerraums ist nurnebenher der Absicht entsprungen, durch den Gegensatz dieErscheinungen der Bühne in möglichst Helles Licht zu setzen.Zwei andere Beweggründe haben mitgewirkt, zunächst einrechnerischer, die Ersparnis von Gas und dann ein pädago-gischer, die Erzwingung der Aufmerksamkeit. Letzterer spieltohne Zweifel die Hauptrolle dabei; damit stimmt auch derUmstand, daß wir es hier mit einer deutschen Erfindung