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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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über dem Kampf um Kornzölle und Branntweinliebesgabenerfahren müssen. Er darf jetzt nicht mehr so laut frageu,wohin die Reise geht; es könnten sonst die stattlichstenMannen in seinen eigenen Reihen zu meutern anfangen:und manchmal muß er ein Auge zudrücken, um den Weg,den die Reise einschlägt, nicht zu erkennen. Als er ver-meintlich den Pfad der Begeisterung für die Befreiung derSklaven betrat, stellte sich alsbald heraus, daß er nur einHülfsheer für die Zöllner des Sultaus von Zanzibar aufdie Beine gebracht hatte; er hatte gedacht mit dem KardinalLavigerie in See zu stechen und erwachte an Bord an derSeite des Herrn Direktor Vohsen von der OstafrikanischenGesellschaft .

Zu den Bräuchen vieler afrikanischen Stämme, mitdenen wir uns aus nationalen Gründen jetzt immer mehrbeschäftigen müssen, gehört es bekanntlich, auf dem Grabeeines ansehnlichen Toten eine Zahl seiner lebenden Ange-hörigen abzuschlachten. Bei dem Leichenfeste, welches derberühmte Parlamentarier in Frankfurt an den alten über-lebten Parteien veranstaltete, durfte es auch an einer solchenHekatombe nicht fehlen; und so schwang er, im Zuge wieer nun einmal war, sein blinkendes Opfermesser auch überdas Parlament selbst. Er meinte, es mache seine Leutedumm. Man lege es also zu den Toten! Herr Miquelhatte damals, wie ganz unzweifelhaft feststeht, noch diebestimmte Absicht, zum nächsten Reichstag kein Mandatmehr anzunehmen, und so war es eigentlich nur konsequent,wenn er mit diesem, wenn auch für seine Vergangenheitwenig verbindlichen Bekenntnis von der Bühne abtrat.Denn:

Willst du dir ein hübsch Leben zimmern,Mußt dich ums Vergangene nicht bekümmern.

Inzwischen hat der Urheber jener beiden drastischen Sätzesich, wie glaubhaft erzählt wird, von einer gewiß unWider-