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feierte Deutsche zu Hause hundert Millionen mehr oderweniger für eine Schlachtflotte aufzubringen nötig hat? oderob was Besseres dafür geschehen könnte?
Ein Kultus, der zur Ekstase drängt, braucht natürlichseine Idole; und wo Idole gebraucht werden, da stellen siesich ein.
Kein größerer Gegensatz kann gedacht werden, alszwischen dem hausbackenen Liberalismus der alten Schuleund der Toastpolitik der ueueu. Selbst der Gegensatz, deruns von den Ultras der Rechten trennt, ist nicht so un-übersehbar. Es handelt sich da doch nur um hundert undetliche Jahre Entwicklung. Die Begeisterten der neuestenRichtung dagegen meinen, alles Alterstrebte sei entwedererreicht oder nicht erstrebenswert. Wir andern meinen, essei noch wenig erlangt und schier noch alles zu thun. Jenemeinen, wir ständen am Ende, wo uns scheint, wir stehenerst im Anfang. Der wohlerworbene Besitz von Freiheitund Gerechtigkeit als sichere Grundlage des politischen Da-seins, das tägliche Brot eines emanzipierten Volkes ist, wasuns noch fehlt.
Es war einmal ein Mann, der liebte schlecht und rechtmit Maß uud Ziel auch sein Schnäpschen, und er hattesich sein Vaterunser auf den einfachsten Ausdruck gebracht.Jeden Morgen betete er: „Lieber Gott, gieb mir heute meintäglich Brot, meinen Branntwein stell ich mir selbst."
Haben wir erst einmal unser täglich Brot von Freiheitund Gerechtigkeit, so wollen wir für den Branntwein derBegeisterung schon selber sorgen.