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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Schraube der gegenseitigen Chikanen eine Schraube ohneEnde ist, die vom Schutzzoll zum Prohibitivsystem führt.Vorerst droht sie bei uns zu einem System zu führen, dasselbst unter Bismarck noch für zu schlimm und gefährlichgalt, zum System der Differentialzölle. Auch auf demHöhepunkt ihrer Macht hatte Fürst Vismarcks Schutzzoll-politik sich gehütet, das Stichwort der Differentialzölleetwa zu Gunsten von Österreich und mit der Spitze gegenRußland auszugeben. Man sollte es nicht für möglichhalten, daß die Erben seiner Handelspolitik gerade in demAugenblicke, da dieselbe, wie so viele andere seiner Ver-irrungen, an den Thatsachen zu Schanden wird, in allerUnschuld auf diese selbst von ihm vermiedene Klippe zu-steuern könnten. Aber glaubhafte Mitteilungen machenleider das Unwahrscheinliche zum Wahrscheinlichen.

Mit allen Zollsteigerungen, die als Unterhandlungs-ware dienen sollten, ist in zehn Jahren nicht eine einzigeKonzession ertrotzt worden. Jeder Teil hat sich nur zuneuen Extremen dadurch treiben lassen. In welche Sack-gasse sind die österreichisch-rumänischen, die französisch-italie-nischen Beziehungen dadurch hineingeraten! Welch ein Glücknoch, daß Europa klug genug war, sich vor Drohungengegen die Mac Kinley-Bill warnen zu lassen! Nichts wärederen Anhängern willkommener gewesen als dies, undnimmer hätten wir den glorreichen Sieg ihrer Gegner er-lebt, wenn wir mit Drohungen dem republikanischen Tarif-krieg in die Hände gearbeitet hätten. Nicht anders liegtdie Sache mit Rußland . Welch jämmerliches Fiasko hatin feiner wirtschaftlichen Kurzsichtigkeit Fürst Bismarck mitdem gewaltsamen Ausfall gegen den russischen Staatskreditgemacht! Statt ihn zu untergraben, hat er ihm auf un-geahnte Höhen hinaufgeholfen!

Die Hauptsache aber ist diese: während die Minister