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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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nicht wenig mit dem Krieg gegen das Kapital, wenn auchnur das sogenannte mobile, welches man im Stillen derSozialdemokratie auszuliefern geneigt wäre, ließe sich nurdie Scheidung praktisch und ohne gefährliche Konsequenzenvollziehen. Was die höheren Regionen zur Zeit an derSozialdemokratie beunruhigt, ist weniger deren eigenes in-haltliches Bekenntnis, als ihr revolutionär erscheinenderCharakter. Bekennte sich die Sozialdemokratie zur mo-narchischen Staatsform, wäre ihr Programm mit derselbenvereinbar, so würde man mit sich reden lassen. Es springtin die Augen, daß der bürgerliche Liberalismus in Europa nicht mehr an gewaltsamen Umsturz denkt. Die gegen-wärtige französische Republik ist nicht aus einer Revolutionhervorgegangen. Wer in Deutschland an die Gefahr einersolchen glaubt, dem schwebt nur die Möglichkeit einer so-zialistischen Schilderhebung vor.

Nicht weil sie sozialistisch, sondern weil sie revolutionärerAbsichten verdächtig ist, werden daher neuerdings wiederso große Anstrengungen gemacht, jene Partei zu bekämpfen.Wir kennen genug von dem Gedankenkreise, in dem sich dieBewohner der höchsten Regionen bewegen, um zu wissen,daß das Bild einer blutigen Empörung hier niemals ver-schwindet. Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm hatten es leibhaftig aus der Nähe gesehen, und in ihrenbeklommenen Momenten stieg es immer wieder auf.

Aus diesem Jdeeukreis sind neuerer Zeit eine Reihevon Manifestationen zu erklären, deren Sinn dahin geht,daß mit allen Mitteln einer solchen Bewegung vvrznbeugensei. Und nachdem dieselbe gemäß dem hier bezeichnetenGedankengang nur von einem ungläubigen Programm aus-gehen könnte, lag es nahe, auch die Stärkung des Glaubensals ein Gegenmittel ins Auge zu fassen. Die Kirchenwaren von jeher stets bereit zu kommen, wenn sie zu Hilfe