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gerufen wurden. Aber nachdem sie dem Glauben an dieÜberzeugungskraft der überirdischen Freuden durch ihrenStaatssozialismus einen so starken Stoß versetzt haben,bleibt ihnen ungemindert nur noch das Mittel der Furchtvor den unterirdischen Leiden.
Und darum liegt dem neuen Anlauf zur Wiederbe-festigung der Dogmen viel weniger der Gedanke an dasParadies, als der an die Hölle zu Grunde.
Mit der Furcht vor den Schrecken der Hölle ist esaber ein eigenes Ding. Sie stehen noch im Nachteil gegendie Schrecken der diesseitigen Strafen. Ein kluger, er-fahrener Mann stellte einmal folgende Betrachtung an: Wiemag ich nur darauf rechnen, daß ein gewöhnlicher Menschaus Furcht vor den entfernten und Ungewissen Strafeneiner künftigen Welt den Versuchungen des Augenblickswiderstehen wird, wenn ich so oft erlebe, daß die gescheitestenund gebildetsten Leute sich den Magen verderben? Dieüblen Folgen einer Unmäßigkeit in Speise und Trank stehendoch so sicher fest und unmittelbar hinter dem Vergehen,daß sie ungleich viel unabwendbarer erscheinen als die eineranderen Welt, die niemand kennt. Und wenn eine Indi-gestion auch mit geringerer Pein droht, als das höllischeFeuer, so ist doch andererseits der Widerstand gegen dieVersuchung der Tafelfreuden so viel leichter, als der gegendie Verführung zu großen Sünden — von der Gewißheitim einen und dem Zweifel im anderen Fall nicht zu reden.Wer will behaupten, daß, wenn es eine Hölle gäbe undein oder der andere Sünder zeitweise aus derselben aufdiese Welt zurückkäme, ein solcher nicht auch wieder rück-fällig werden könnte? Wie gering mag aber die Zahl derersein, welche so ganz ohne Anwandlung von Zweifel andie Hölle glauben? Frau von Motteville erzählt, PapstUrban VIII. habe bei der Nachricht vom Tode des Kar-