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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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allgemeinen nnd seiner besonderen Natur nach so interessant,daß es bereits die Aufmerksamkeit anch der nicht daran be-teiligten Kreise auf sich gezogen hat; und das noch in derEntwicklung begriffene Schauspiel wird sich lauge uud be-deutend genug fortsetzen, um zu rechtfertigen, daß fich dieBeobachtung der Zeitgenossen näher mit ihm beschäftigte.

Einige Zeit, ehe der Krach der siebziger Jahre herein-brach, habe ich einmal in einer Reichstagsrede vor dem Endeder damals noch hochgehenden Spekulation gewarnt, alsein gewaltiges Steigen in Bergwerksaktien losging. Ichsagte damals, auf meine Erfahrung aus den fünfziger Jahrengestützt, daß, wenn erst die Aktien der Bergwerke ins Blauehinausznwirbeln ansingen, der Vorabend des Umschlags ge-kommen sei uud mau sich auf das Hereinbrechen einesSturmes gefaßt machen müsse. Ich hatte richtig prophezeit,und im Gegensatz zu schlechten Erfahrungen, die man imProphetengeschäst zu machen Pflegt, hat mich mancher meinerdamaligen Zuhörer noch nach langen Jahren an jenen Aus-spruch erinnert, den ich schier vergessen hatte. Diesmalkommt aber die Sache so, daß man analoge Schlußfolge-rungen nicht ziehen kann. Die Agiotage, welche im späternVerlauf längerer allgemeiner Spekulationsperioden sich auchauf Bergwerke stürzt, entspringt dem Suchen des Spieltriebsnach neueu Objekten, und weil alsdann die Rückschläge inden bereits ausgenützten Objekten zu beginne» Pflegen, be-deutet das Auflodern der Bergwerksagiotage meist den An-fang des Endes.

Diesmal jedoch verhält sich die Sache gerade umgekehrt.Die Bergwerke haben den Anstoß gegeben. Ans ganz natür-lichem Wege drängten sie sich dem Unternehmungsgeist auf.Man könnte sagen: die Börse ist nicht zum Berg gegangen,sondern der Berg zur Börse. Genau genommen handelt essich auch nicht ausschließlich um bergmännischen Betrieb.

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