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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Es war Dr. Wilhelm Lexis aus Duisburg . Ich war soglücklich, ihn ausfindig zu macheu; er kam, übernahm dieStellung, zog später mit der Regierung in Straszburg ein,nahm daraus Anlaß, sich zuerst als Privatdozent an derneu gegründeten Universität für Nationalökonomie zu habi-litieren, und ist seitdem, wie bekannt, einer unserer erstenVolkswirtschaftslehrer geworden, mit dem ich nach 23 Jahrenwieder in der Silberkommission zusammenzukommen dieFreude hatte.

II.

Denen, die heute das Fest feiern, erscheint nichts ein-facher, als daß die Ereignisse jener Tage mit der Verkün-dung von Kaiser uud Reich abschlössen. Wer aber die Zeitselbst miterlebt und um das Werden der Dinge sich ge-und bekümmert hat, weiß, daß das so leicht und einfachnicht von statten ging. Der König von Preußen undsein Kanzler, mitten im Lager, umringt beinahe ausschließ-lich von Feldherren und Fürsten , welchen das Ziel einerstaatlichen Umbildung Deutschlands keine Herzensangelegen-heit, auch keine geschichtliche Überlieferung war, eher dasGegenteil. König Wilhelm war, besonders in höherenJahren, ein sehr konservativer Mann. Ganz erfüllt vonseinem monarchischen Recht und Beruf, verband er damitkonsequenter Weise eine entsprechende Achtung vor denRechten nnd Überlieferungen seiner dynastischen Bundes-genossen. Es ist bekannt, daß er sogar einem hervorragen-den Parlamentarier, welcher 1866 am eifrigsten für dasAufgehen Hannovers in Preußen eingetreten war, diese an-gebliche Untreue gegen seinenangestammten" Herrn nierecht verzeihen konnte, obgleich er die Vergrößerung selbstzu gunsten Preußens sich wohl gefallen ließ. Die Er-