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iuuerungeu an das Jahr 1848, an die eigentümlicheStellung, welche sein verstorbener Brnder und Vorgängerzu der damals angebotenen Kaiserkrone eingenommen hatte,werden gewiß auch nicht ohne Einfluß auf ein inneresWiderstreben gegen Verwirklichung dieses Gedankens ge-wesen sein. Lag der Errichtung des Kaisertums auch einemonarchische Idee zn Grunde, so hatte sie doch einen revo-lutionären Beigeschmack. Dies und das natürliche Wider-streben eines alteu Manues, die sichere hundertjährige Erb-schaft eines preußischen Thrones gegen ein neugebackenesKaisertum, das doch auch immer etwas von einem Ex-periment an sich trug, auszutauschen, läßt stark vermuten,daß nicht unbegründet war, was man sich damals von desKönigs Widerstreben und der Schwierigkeit es zu über-winden, erzählte. Im engsten Kreise der Kaiserin Augustaerzählte man vou einem Briefe, in welchem sich ihr könig-licher Gemahl nichts meniger als erfreut über die ueueWürde ausgesprochen hatte. Und selbst als das Kaisertumim Prinzip bei ihm durchgedrungen war, blieben nochSchwierigkeiten formaler Art zu überwinden, da er mitdem Titel „Deutscher Kaiser" wenig einverstanden war undentweder „Kaiser von Deutschland" oder „Kaiser der Deut-schen" vorgezogen hätte. So wenigstens lautete die Kunde,welche damals mir aus einer sehr guten Quelle zukam.
Was den Kanzler betrifft, so habe ich schon erzählt,wie viel mehr Gewicht er auf die Schonung dynastischerEmpfindlichkeiten, als auf die Erfüllung populärer Wünschelegte; und das entsprach seiner ganzen Denkweise. Indessenmuß man hier wohl unterscheiden. Die Überzeugung, daßDeutschland aus dem Kriege geeinigt hervorgehen, und daßdie Mainlinie verschwinden müsse, stand gewiß auch beiihm von Anfang an fest. Man brauchte nicht ein Staats-mann wie er zu seiu, um zu diesem Schluß zu kommen.