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Als ich nach dem im Eingang geschilderten ersten Gedanken-anstausch über diesen Gegenstand in einem Privatgesprächmit Herrn von Abeken diesem meine Enttäuschung überBismarcks Lauheit uach dieser Richtung hin aussprach, er-widerte er, ich sollte mich dadurch uicht beirreu lassen; derKanzler stehe in seinen Gedanken der Erfüllung dieserDinge nicht so fern, wie nach seinen Änßernngen scheinenkönne. Und ich glaube, er hatte recht. Es war so seineArt, in Dingen, die oben unliebsam aufgenommen werdenkonnten, sich lieber von außen drängen zu lassen und ausdiese Pression berufen zn können, als sie in eigenem Namenzu begehreu. Und des Nachdrängen? von unten konnte erhier reichlich sicher seiu. Weuu also die staatliche EiuiguugDeutschlands auf ihn zählen konnte, so verhält es sich dochmit dem Kaisertitel anders. Auf diesen mochte er im posi-tiven wie im negativen Sinne wenig Gewicht legen. Doch,als die Dinge sich zur Erfüllung zuspitzten, drängte sichdas Kaisertum von selbst auf. Gar nichts haben dazujedenfalls die gethan, welche sich heute als die feurigstender Kämpfer für Kaiser und Reich gebaren, die Preußischen Konservativen. Es kann niemandem verdacht werden, wenner gute Miene zum bösen Spiel macht; aber gegen eine ge-schichtliche Fälschung, welche das Verdienst um die Schaffungder staatlichen Einheit und des Kaisertums nachträglich denKonservativen zuführen möchte, muß gerade in diesem Angeu-blick besonders Verwahrnng eingelegt werden. Die that-sächliche Ausführung in letzter Instanz ist dem Genie Bis-marcks und Moltkes zu verdanken; jedoch die Inspirationund die Macht des Volkswillens, welche wahrhaft unwider-stehlich zur Gestaltung hiudrängteu, gingen einzig vvmliberalen Bürgertum aus, fanden volles Verständnis nurbei einzelneu Fürsten, wie dem Kronprinzen von Preußen und dem Großherzog von Baden. Dies sollten die Könige