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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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weggerisfen war, und die Brücke jeden Augenblick ausein-ander zu bersten drohte. Mein Kutscher weigerte sich, weiterzu fahren, und ich mußte mitten auf der Brücke aussteigen,mein Gepäck in beide Hände und, da der Sturmwind mirden Hut wegzureißen drohte, diesen zwischen die Zähnenehmen. So kam ich nach einem schweren Gange endlichkeuchend ans jenseitige Ufer. Als ich in den Bahnhof ge-langte, war der Zug, mit dem ich weiter gehen wollte, ab-gefahren. Ich mußte die Nacht iu Straßburg bleiben,ging in den Gasthof zum Roten Haus und fing gleich an,am neuen Abschnitt meines Tagebuchs zu schreiben. Dochwar ich bald so müde, daß ich über dem Schreiben einschlief.Am anderen Morgen ging es fort nach Nancy. Unterwegskam die erste Nachricht von der Kapitulation von Metz.Ich blieb einen Tag in Nancy, wo ich den Grafen Renardaufsuchte und viel Interessantes von ihm erfuhr. Er wareben in Metz gewesen, um die Übergabe mitanzusehen. Am29. morgens fuhr ich von Nancy ab, hatte unterwegsmanche abenteuerlichen Begegnungen und kam des Abendsum halb zehn in Nanteuil an. Ein furchtbarer Regen hatteden Bahnhof in einen See verwandelt; von Nachtlagerkeine Rede. Ich mußte die Nacht in einem Waggon dritterKlaffe, mit vielen anderen zusammengepackt, verbringen.Am anderen Morgen um fünf Uhr geht der Zug zurück;man muß sich entschließen, auszusteigen oder uach ClMeau-Threrry zurückzufahren, wo eher auf einen Wagen zurWeiterbeförderung zu rechnen sei. Schon bin ich resigniertdazu, habe mein Gepäck wieder in den Wagen geschafft, dagewahre ich im Dunkel des Bahnhofs ein paar brennendeWagenlaternen und davor ein paar schnaubende Rosse.Wem gehören sie? Lieutenant von Tümpling, ruft einschöner großer Offizier dicht an meinem Wagen, sie gehenleer nach Lagny. Sofort ward mir erlaubt, mitzufahren,