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und wer war glücklicher als ich! Ich überspringe den Restmeiner Abentener, wie ich über Lagny auf einer mir vomGeneral Chauvin daselbst Punkt für Punkt vorgezeichnetenRoute mit den verschiedensten Fahrzeugen nach Versailles gelange, nicht ohne mehrere Male in Gefahr gewesen zusein, daß die französischen Fuhrleute mich in die französi-schen Linien hineingefahren hätten. Beim Wegfahren ausNanteuil hatte mich der frenndliche Offizier mit Paroleund Feldgeschrei für die Deutschen versehen, doch im offenenWagen fiel ich alsbald in einen tiefen Schlaf, uud als icherwachte, war beides radikal vergesfen.
Am 31. Oktober spät abends komme ich in Versailles an und steige im Hotel de la Chasse ab. MerkwürdigerAnblick des mir unter einem ganz anderen Bild vertrautenstädtischen Stilllebens von ehedem. Mein erster Gang warzu Herrn von Keudell. Er erzählte mir, daß Thiers fort-während mit Bismarck in Unterhandlung sei und ihn ganzin Anspruch uehme. Zugleich sagt er mir: „daß ein Deut-scher Kaiser gemacht wird, stehe beinahe fest"; man wolleden Reichstag zu diesem Zweck nach Versailles kommenlassen. Ich erwidere, die letztere Idee scheine mir barock.Am Nachmittage komme ich mit dem Bundeskanzleramts-präsidenten Delbrück zusammen. Wir machen einen langenSpaziergang. Er teilt mir ausführlich mit, wie man sichdas künftige Verhältnis zu den deutschen Südstaaten denke,und daß z. B. die Abgeordneten dieser Staaten im künftigenReichstage bei denjenigen Materien, in denen sie sich nichtdem Reiche anschlössen, zwar anwesend bleiben aber nichtmitstimmen sollten. Ich kann mich auch mit diesem Ge-danken nicht befreunden. — Das Wetter war herrlich; ichmachte verschiedene Spaziergänge in die Umgebung uud er-lebte Interessantes. Am 4. November wnrde ich zum Essenzu Bismarck eingeladen. In dem Salon standen auf dem
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