Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
451
Einzelbild herunterladen
 

451

holte. In der That trat die Partei geschlossen für die Ge-nehmigung ein. So war nun auch von feiten der Volks-vertretung das Reich unter Dach gebracht. Ich ging vonBerlin nach Mainz , um meinen Wahlfeldzug für die Kandi-datur zum Reichstag vorzubereiten. Hier wartete meinernoch ein schwerer Kampf.

Ein kleines Nachspiel zu den Erlebnissen des Kriegessollte ich vorher uoch erleben. Meine Frau war, währendich in Versailles war, zu Freundeu nach Lansanne gereist.Ich kam zu Weihnachten dahin. Kaum war ich da, so wardmir von Mainz ein Telegramm nachgeschickt, welches ausGenf für mich eingelaufen war. Ein Mitglied der fran-zösischen Deputiertenkammer, mit dem ich auf vertrautemFuß gestanden, drückt mir darin den Wunsch aus, eineUnterredung mit mir zu habeu und schlug mir ein Zu-sammentreffen in Basel vor. So konnte ich ihm nun dennäheren Weg zu mir nach Lausanne anbieten. Er kam underöffnete mir, daß es sich darum handle, in seinem undeiniger Kollegen Namen mit Bismarck in Berührung zukommen, um zu ermitteln, ob man ans friedlichem WegeLothringen und ein Stück Oberelsaß noch für Frankreich retten könne. Ich fragte ihn, ob er sich auch stark genugfühle, mit solchen Vorschlägen nach der französischen Seitehin herauszukommen. Er versicherte, auf Thiers zählen zukönnen, freilich nicht auf Gambetta, den zu stürzen, wie ermir sagte, schon mehrere, aber freilich vergebliche Versuchein Tours gemacht worden seien. Ich schrieb an Bismarcknach Versailles , meldete den Vorfall und fragte, ob die be-treffenden Franzosen eventuell freies Geleite ins Haupt-quartier bekommen könnten. Durch Verbindung mit derpreußischen Gcsandschaft in Bern wurde eine chiffrierte undtelegraphische Verbindung mit mir hergestellt, und ich erhieltVollmacht, mit den französischen Unterhändlern nach Ver-

29*