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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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alle Schwierigkeiten, die er noch immer bei den Höfen zuüberwinden habe.

Am Montag Abend 9V» Uhr fuhr ich aus Versailles heraus in einem besonderen Wagen mit Postillon. AmThor wollte man die Losung wissen. Ich hatte vergessen,sie mir geben zu lassen; aber nach einem mir früher fürsolchen Fall empfohlenen Kniff bat ich die Schildwachcselbst sie mir zu sagen. Richtig ließ sie sich nicht langebitten, die Losung war: Egmont das Feldgeschrei: Cvntre-maraue. Damit kamen wir überall durch. In der Gegendvon Villeneuve St. Georges kampierten die Trnppen, daman wegen der Ausfälle uoch sehr besorgt war, und lagenScharen tief schlafend auf dem nackten Pflaster. In Pom-ponne an der Seine gegenüber Lagnh angekommen, fandich noch Roggeubach, der durch Mangel an Fahrgelegenheitaufgehalten worden war; ich suchte mir einen Platz in derEisenbahn und kam in ein gutes Coups erster Klasse mitdrei bayerischen Offizieren und dem Grafen Hochberg. DieBayern waren verwundet und erzählten viel von ihrenLeiden bei Orleans . Es war eine greuliche Kälte. Ichwar von Heidelberg leichtsinnigerweise ohne warme Über-kleider abgereist, und in Versailles war alles so ausverkauft,daß ich mir nichts anschaffen konnte. Nie habe ich so ge-froren wie in dieser Nacht. Als einzige Rettung hatte icheinen Fußsack, den ich mir noch in Versailles verschaffthatte. Aber alles schadete mir nichts; ich fuhr durch überStraßburg und Frankfurt ohne Aufenthalt nach Berlin .Abends am 7. Dezember um 9 Uhr in Berlin angekommen,fchrieb ich an Bennigsen, der am andern Morgen in allerFrühe zu mir kam und mir sagte: Roggenbachs und meineReise seien nicht nötig gewesen, die Verträge wären dochdurchgegangen. Dann suchte ich Lasker auf, bei dem Roggen-bach schon gewesen war, und der mir dieselbe Ansicht wieder-