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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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erklärte, nach Berlin zu gehen, um seine Ansicht zu unter-stützen, nahm er dies außerordentlich dankbar au, und alsich ihm sagte, daß ich einen Platz in der Post für denmorgigen Tag bestellen wollte, fiel er ein: sorgen Sie fürnichts, ich schicke einen Wagen und alles, was Sie nötighaben; kommen Sie morgen noch einmal zum Essen umfünf Uhr, dann können wir noch sprechen. So geschah es,nnd wir hatten bei Tisch noch ein höchst interessantes Ge-spräch, auch über die Kriegsangelegenheiten.

Nach Tisch blieb ich noch lange mit ihm unter vierAugen. Ich zeigte ihm zunächst die Telegramme, die ichdes Morgens an Bennigsen und andere geschickt hatte. Eswar zwar abends vorher zwischen uns verabredet worden,daß ich mich in Berlin nicht ankündigen, sondern plötzlichankommen solle; allein ich hatte mir die Nacht überlegt,daß es vor allen Dingen gelte, die Führer zu verhindern,unwiderruflich zur Frage Stellung zu nehmen, sodaß sieverhindert wären, später eine Wendung zu machen. Darinpflichtete mir Bismarck durchaus bei, sowie zu dem Inhaltmeiner Telegramme. Dann sprach er noch ausführlichüber die Mängel der abgeschlossenen Verträge. Ich bean-standete einen einzigen Passus, an dem Bayern kein Inter-esse habe, und der doch bedenklicher Natur sei. Er zitierteBucher herbei, sah sich die Texte nochmals an und beauf-tragte ihn, in dem von mir angeregten Sinne an Delbrück zu telegraphieren. Gegen Ende der Unterhaltung sagte er:ich weiß ja, wenn die Vertrüge in drei bis fünf JahrenGegenstand von allen möglichen Ausstellungen sein werden,wird man schreien: wie hat der dumme Kerl so etwas unter-schreiben können! Ich fiel ihm in die Rede, für Dummheitwerde ihm wohl niemals jemand etwas auslegen, eher nochfür Bosheit. Ja, sagte er, der miserable preußische Junkerwird man sagen, und dann schilderte er mir von neuem

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