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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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ging, der von mir Abschied nehmen wollte, sagte er mir,Bismarck ließe mich bitten, um jede Stunde desselben Abendszu ihm zu kommen. Ich traf etwa um neun Uhr bei ihmein. Unten sagte man mir, ich müsse mich eilen, denn ersei auf dem Punkte auszufahren, und man ließ mich über-haupt nur durch, als ich mich legitimierte, daß ich gerufensei, wie denn überhaupt seit Wochen, seit Thiers letzter An-wesenheit, niemand angemeldet ward, der nicht gerufen war.Ich faud Bismarck, wie beinahe immer, au seinem Schreib-tisch bei der Lampe mit einer Masse von Papieren vor sich.Er bot mir sofort eine Cigarre an und begann dann dieSituation zu schildern. Das Thema war: wie unerläßliches sei, inmitten aller Schwierigkeiten, die aus Deutschland selbst auftauchten, Deutschland dem Ausland gegenüber ab-zuschließen; wie sonst Beust und Osterreich überhaupt nieihre Absichten auf Bayern aufgeben würden, und wie ge-fährlich es sei, dieses isoliert zu lassen; wie Rußland momen-tan zwar gut gestimmt, aber wie wenig auch in dieser Be-ziehung auf die Zukunft zu rechnen sei. Dann erzählte ermir Näheres über die Schritte, die er beim König vonBayern gethan habe, um ihn dazu zu bringen, daß er demKönig von Preußen die Kaiserkrone anbiete, und wie seineBemühungen von Erfolg gekrönt worden. Als ich ihmsagte, ich könne mir gar nicht erklären, wie die National-liberalen es auf sich nehmen möchten, die Verträge zu ver-werfen oder auch nur so zu amendieren, daß sie in Fragekämen, und ich es deshalb für geraten hielte, ehe ich zu-rückreifte, erst einmal bei Bennigsen telegraphisch anzu-fragen, ob sich die Sache wirklich so bedenklich verhalte, er-widerte Bismarck, ich könne fest überzeugt sein, daß derWiderstand hauptsächlich von den Nationalliberalen aus-gehe, die die Sache so behandelten, als gelte es nur, sicheinen Wunschzettel zu machen. Als ich mich nun bereit